Stille Rivalität mit der Volksrepublik

8. März 2006, 15:10
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Sogwirkung Chinas und Indiens auf Nachbarn

Indien gegen Pakistan hieß die Frontstellung in Südasien in den 50 Jahren nach dem Ende des Weltkrieges und der Unabhängigkeit der beiden Staaten. Indien gegen China wird die Frontstellung der nächsten 50 Jahre sein, lautet heute die viel geäußerte Auffassung bei internationalen Treffen von Politikern und Wirtschaftsführern.

Drei Kriege führte Indien gegen Pakistan um den Kaschmir und steuerte zuletzt wieder in eine Phase der Entspannung. Einen Feldzug führte Neu-Delhi gegen die chinesische Armee im Himalaja. Doch auch im Verhältnis zur Volksrepublik standen die Zeichen in den vergangenen Jahren auf Entspannung: 2003 erkannte Indien Tibet als autonome Region Chinas an, in den folgenden Jahren statteten sich die Premiers beider Staaten Besuche ab und die Armeen hielten gemeinsame Seemanöver ab. Es ist die schiere Größe der Volkswirtschaften und die Sogkraft gegenüber den Nachbarn in Asien, aber auch auf den Westen, der beide Staaten heute in stiller Rivalität hält.

Peking hintertrieb zuletzt Indiens Versuche, einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erlangen. Atomtests und Aufrüstung unter der bis 2004 regierenden Hindupartei BJP alarmierten China besonders.

Manche indische Politikwissenschaftler verweisen dabei auf die programmatischen Ähnlichkeiten zwischen der BJP und Chinas kommunistischer Partei: Der Wunsch nach einem "Groß-China" klinge wie der Slogan der indischen Nationalisten vom "Akhand Bharat", dem "vereinigten Indien"; die Formel der BJP vom "wohlhabenden und mächtigen Land" sei ähnlich der Parole "reiches Land, starkes Militär" der Kommunisten in Peking. (mab, DER STANDARD, Print, 3.3.3006)

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