Ex-General bemüht sich um Hisbollah

22. März 2006, 12:15
posten

Entwaffnung der Schiitenmiliz als Ziel

Ein Händedruck hat die politische Landschaft des Libanon durchgeschüttelt. In der Kirche von Mar Mikhael in Haret Hreik, dem schiitischen Kernland im Süden Beiruts, einigten sich Mitte Februar der christliche Ex-General Michel Aoun und Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah auf eine zehn Punkte umfassende Erklärung zur "nationalen Verständigung". Ausgerechnet Aoun, der während 15 Jahren die Kampagne gegen Syrien aus seinem französischen Exil angeheizt hatte, tat sich mit der wichtigsten prosyrischen Gruppierung im Zedernland zusammen und schuf damit eine ganz neue politische Konstellation.

"Seit einem Jahr rufen alle nach Dialog. Aber sie rennen nach Riad und Kairo, und nichts kommt dabei heraus. Wir brauchen eine Lösung ‚made in Lebanon‘", rechtfertigte Aoun, Chef der Freien Patriotischen Bewegung (FPM), sein Vorgehen in einem Interview mit der libanesischen Tageszeitung L'Orient.

Distanz zu Syrien

Über dieses Abkommen mit Nasrallah, das Aoun als Ausgangspunkt für eine nationale Verständigung versteht, habe man versucht, die Hisbollah von deren syrischen Alliierten wegzubringen. "Unsere Aufgabe ist es nicht, die Hisbollah zu zerstören, sondern ihr zu ermöglichen, sich in den politischen Prozess zu integrieren und die Ziele zu erreichen, für die sie zu den Waffen gegriffen hat", präzisierte der Bürgerkriegsgeneral seine Strategie. In einem nächs^ten Schritt könne die Hisbollah dann entwaffnet werden.

Die Waffen der Hisbollah sind eines der heißesten Eisen im Libanon; der UN-Sicherheitsrat hatte 2004 in einer Resolution, die gegen Syriens Truppenpräsenz gerichtet war, auch die Entwaffnung aller Milizen verlangt.

Gleichzeitig ist die Hisbollah seit den Wahlen im Gefolge der "Zedernrevolution" mit 14 Abgeordneten im Parlament und einem Minister in der Regierung vertreten. "Neben dem Präsidenten ist die Hisbollah das wichtigste verbliebene syrische Instrument der Einflussnahme", erklärt der Anwalt und Menschenrechtsaktivist Chibli Mallat. Er führt wie Michel Aoun bereits Wahlkampf für das Amt des Staatspräsidenten. Denn um Emile Lahoud, dem Staatschef, wird es immer einsamer. Dessen Rücktritt fordert nun auch Verteidigungsminister Elias Murr, Lahouds Schwiegersohn. (DER STANDARD, Print, 3.3.3006)

Astrid Frefel aus Beirut
Share if you care.