Kunststoffe mit Formgedächtnis entwickelt

5. März 2006, 14:00
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Formänderung kann dank Magnetfeld berührungslos induziert werden

Teltow/Darmstadt - Deutsche Wissenschaftler haben Kunststoffe mit einem Gedächtnis entwickelt, deren Form sich mit Hilfe magnetischer Nanopartikel verändern lässt. Dazu hat das Forscherteam Eisenoxid-Teilchen homogen verteilt in Kunststoff eingearbeitet. Diese wandeln die Energie eines Magnet-Felds in Wärme um und sind damit dafür verantwortlich, dass verformter Kunststoff wieder seine ursprüngliche Gestalt annimmt.

Besonders interessant kann das für die Medizintechnik sein, da die Formänderung berührungslos induziert wird. Ihre Ergebnisse haben die Forscher des Teltower Institut für Polymerforschung jetzt gemeinsam mit Kollegen des Darmstädter Kunststoffinstituts im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

Reiz

Form-Gedächtnis-Kunststoffe lassen sich problemlos verformen und "erinnern" sich durch äußere Reize an die frühere Gestalt. "Das Besondere ist die ferngesteuerte Möglichkeit, den Form-Gedächtnis-Effekt auszulösen", betont Sabine Benner, Referentin am Institut für Polymerforschung, im pressetext-Interview. Mit ihrer neuen Technologie, die den Form-Gedächtnis-Effekt im Magnetfeld induziert, können die Wissenschaftler medizinische Hilfsmittel entwickeln, die sich quasi auf Knopfdruck in eine vorbestimmte Gestalt begeben.

Anwendungsmöglichkeiten

So testen die Forscher gerade medizinisches Nahtmaterial, das sich von selbst zum Knoten schlingt. Besonders bei minimal-invasiver Chirurgie hat der Arzt kaum Platz und kann durch das Material beim Nähen unterstützt werden. Auf ähnliche Weise ließen sich Katheter entwickeln, die ohne schmerzhaften Eingriff verändert werden könnten. "Wir entwickeln medizinische Hilfsmittel, die maßgeschneidert für spezielle Anwendungen sind", beschreibt die Referentin das Ziel der Polymerforschung in Teltow. Noch sind die Form-Gedächtnis-Kunststoffe in der regenerativen Medizin Zukunftsmusik. Im nächsten Schritt möchten die Wissenschaftler ihre neueste Entwicklung für die klinische Anwendung optimieren. (pte)

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