Vernichtendes Urteil nach europaweitem Feuerzeug-Test

3. März 2006, 17:58
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70 Prozent der Produkte durchgefallen - Verein für Konsumenten- Information: "Lebensgefährlicher Müll"

Wien - Zu einem vernichtenden Urteil ist der Verein für Konsumenteninformation (VKI) bei einem europaweiten Test von Billig-Feuerzeugen gekommen. Demnach haben von 70 geprüften Produkten lediglich 22 bestanden. VKI-Projektleiter Mirko Bernhard zeigte sich am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien erschüttert: "Ich übe diesen Beruf seit 40 Jahren aus, aber so ein schlechtes Testergebnis habe ich noch nie erlebt."

Unter die Lupe genommen wurden 70 Feuerzeuge aus acht europäischen Ländern. Pro Modell testete der VKI 30 Stück im Preissegment von 50 Cent bis 1,50 Euro. Die Resultate waren mehr als ernüchternd: Bei mehr als zwei Drittel der überprüften Feuerzeuge war die Flammenhöhe zu hoch (bis zu 30 Zentimeter) und hat die Flamme nach Loslassen der Betätigungstaste länger als zwei Sekunden nachgebrannt. Außerdem bedeutete für 24 "Kandidaten" eine vierstündige Erhitzung auf 65 Grad (z. B. auf Kachelöfen oder hinter Windschutzscheiben im Sommer) das frühzeitige Ende.

Sicherheitskriterien zu wenig streng

Für den VKI steht fest: Die internationalen Sicherheitskriterien sind zu wenig streng. Laut Schätzungen der EU-Kommission sterben in Europa jährlich 34 bis 40 Menschen - meist Kinder - beim Hantieren mit Feuerzeugen. Hinzu kommen bis zu 1.900 Verletzungen. "Täglich wandert tausendfach lebensgefährlicher Müll über die Ladentische. Wer Glück hat, greift zu einem Feuerzeug, das nicht funktioniert. Wer Pech hat, riskiert gefährliche Verletzungen", so Bernhard.

Die meisten Feuerzeuge, die nicht einmal die Mindeststandards der EN-ISO-Norm 9994 erfüllen, stammen aus Fernost oder sind billige Imitationen von Markenartikeln. Geplant ist laut VKI eine EU-weite Einführung von Kindersicherungen, die in Ländern wie der USA, Kanada, Neuseeland oder Australien längst gesetzlich verankert sind. Deshalb raten die Konsumentenschützer: Feuerzeuge von Kindern fern halten, vor längerer Sonneneinstrahlung schützen und nicht zweckentfremden (Flaschenöffner), da so die Gasbehälter beschädigt werden können.

Der VKI hat außerdem eine europäische Internetplattform eingerichtet, die den Verbrauchern die Gelegenheit gibt, von gefährlichen Vorfällen mit Billigfeuerzeugen zu berichten. Unter www.konsument.at/feuerzeuge können Kommentare in zahlreichen Sprachen abgegeben werden. (APA)

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    foto: standard/matthias cremer
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