Grazer Forscher analysieren den Bluthochdruck genetisch

8. März 2006, 12:50
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Zusammenhang von Hochdruck und Variation des "Beta-2 Rezeptors"

Graz - Ein Team aus drei Forschern vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Graz konnte nach jahrzehntelangen Arbeiten die Rolle eines für die Entstehung des "essentiellen Hypertonus" (Hochdruck-Krankheit) beteiligten Gens klären. In Zusammenarbeit mit Forschern aus Oxford und London analysierten die Grazer das Gen des "Beta-2 Rezeptors". Die Untersuchungen ergaben, dass bestimmte genetische Varianten dieses Rezeptors bei Bluthochdruck-Kranken signifikant gehäuft vorkommen.

Die Forschergruppe der Grazer Alexander Binder, Peter Kotanko und Falko Skrabal analysierte das Gen des "Beta-2 Rezeptors", welcher eine große Bedeutung für die Funktion des sympathischen Nervensystems hat. Dieses Nervensystem wird z.B. bei Stress aktiviert und ist für die Erhöhung von Puls und Blutdruck verantwortlich. Auch die Wirkung der Stress-Hormone Adrenalin und Noradrenalin an Blutgefäßen werden u.a. durch Beta-2 Rezeptoren vermittelt.

Häufung

Nun entdeckten die Forscher, dass bestimmte genetische Varianten des Beta-2 Rezeptors bei Personen mit Bluthochdruck gehäuft auftreten: "Wenn nämlich an der 27. Position der Aminosäure nicht Glutaminsäure, sondern Glutamin sitzt. Dies lässt den Rezeptor viel schneller in der Zelle verschwinden, und er taucht auch nicht wieder auf", so Falko Skrabal im APA-Gespräch. Das Fehlen des Rezeptors würde zu verminderten Möglichkeiten der Gefäßerweiterung führen, "deshalb steigt der Blutdruck dann an".

In einer vom österreichischen Forschungsfonds und der Nationalbank unterstützten Untersuchung wurde der Blutdruck von einigen Tausend Personen über 20 Jahre lang verfolgt. Untersuchungsmaterial von rund 600 Personen wurde von Forschern aus Oxford und London zur Verfügung gestellt, die Blutproben und DNA-Material von den Bewohnern einer Stadt in Großbritannien, Caerphilly, eingefroren hatten. Die Resultate der Studie wurden im "Journal of Hypertension" publiziert. Die Arbeiten bilden einen "wichtigen Schritt in Richtung genetischer Diagnostik einer erblichen Veranlagung zum Hochdruck" und sollen zum besseren Verständnis der Krankheitsentstehung beitragen, hieß es von Seiten der Forscher.

Bereits vor 20 Jahren hatte das damals noch in Innsbruck tätige Team eine Störung der Regulation der Rezeptoren des sympathischen Nervensystems durch hohe Kochsalzzufuhr entdeckt. So konnte erstmals ein Zusammenhang zwischen bestimmten genetischen Formen des Beta-2 Rezeptors und der Hypertonie beschrieben werden. (APA)

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