Gorbatschow verteidigt "Perestroika" und bereut nur Jelzin

8. März 2006, 16:14
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Ex-Präsident bedauert zum 75-er, dass er späteren Nachfolger "nicht zum Zitrusanbau in irgendeine Bananenrepublik geschickt habe"

Moskau - Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow hat an seinem 75. Geburtstag in zahlreichen Interviews noch einmal seine Politik der "Perestroika" (Umgestaltung) verteidigt, die aus heutiger Sicht vieler Russen nur zum ruhmlosen Ende der Sowjetunion führte. "Der Westen ging zu einer neuen Entwicklungsstufe über, wir blieben immer weiter zurück", sagte Gorbatschow über die damalige Zeit. "Das Volk erstickte an Unfreiheit und Ausweglosigkeit."

Er habe in seiner Politik nichts zu bereuen, sagte Gorbatschow der Zeitung "Komsomolskaja Prawda". "Ich bereue nur, dass ich Jelzin nicht zum Zitrusanbau in irgendeine Bananenrepublik geschickt habe." Der Erzrivale und russische Präsident Boris Jelzin hatte Gorbatschow im Kreml beerbt, die Feindschaft zwischen beiden dauert bis heute an.

Kohl und Genscher gratulieren: "Besonders wir Deutschen verdanken Dir viel"

Der deutsche Altbundeskanzler Helmut Kohl und der ehemalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher haben Gorbatschow zum 75. Geburtstag gratuliert und seine Verdienste um die deutsche Einheit gewürdigt. "Besonders wir Deutschen verdanken Dir viel. Denn ohne das Vertrauen, das Du mir entgegenbrachtest, hätte es sicherlich keine friedliche Revolution in der DDR gegeben", schrieb Kohl in einem Glückwunschbrief, den die "Bild"-Zeitung veröffentlichte.

In dem Schreiben erinnerte Kohl an den Bonn-Besuch Gorbatschows im Juni 1989: "Damals im Garten des Kanzleramts überwanden wir die Mauer der weltanschaulichen Gegensätze, die zwischen uns stand."

Auch Genscher würdigte Gorbatschows Beitrag zur Einheit Deutschlands: Seine neue Politik habe entscheidend zum Ende des Kalten Kriegs beigetragen, sagte Genscher dem Radiosender hr-info. "Im Bild der Geschichte wird Gorbatschow nicht nur im Ausland, sondern auch in Russland derjenige sein, der sein Land geöffnet hat zu Freiheit und Demokratie", betonte Genscher, der am Donnerstag mit seiner Frau Barbara in Moskau an einer privaten Geburtstagsfeier für Gorbatschow teilnehmen wollte. Dem früheren russischen Politiker will Genscher nach Auskunft seines Büros eine Original-Lithographie seiner Heimatstadt Halle überreichen. (APA/dpa)

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    Gorbatschow (75): "Ich bereue nur, dass ich Jelzin nicht zum Zitrusanbau in irgendeine Bananenrepublik geschickt habe."

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