Aufatmen bei Anlegern und der Fondsbranche in Deutschland

23. März 2006, 19:04
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Immobilienfonds grundbesitz-invest muss nur um 2,4 Prozent abgewertet werden - Wiedereröffnung am Freitag

Frankfurt - Anleger von offenen Immobilienfonds in Deutschland können aufatmen: Der im Dezember geschlossenen Immobilienfonds grundbesitz-invest der Deutschen Bank muss nur um 2,4 Prozent abgewertet werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Gutachten von unabhängigen Sachverständigen, wie die Deutsche Bank am Donnerstag mitteilte. Aktionärsschützer bezweifelten, dass die historisch einmalige Schließung, die zu großer Verunsicherung der Anleger geführt hatte, notwendig gewesen sei. Nach Einschätzung des Branchenverbandes BVI haben offene Immobilienfonds "ihre Feuertaufe bestanden".

Den Abwertungsbedarf des rund 6 Mrd. Euro schweren Fonds bezifferten die Sachverständigen auf 147 Mio. Euro. Der Fonds der Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate soll wie geplant zum (morgigen) Freitag wiedereröffnet werden. Anleger sollen für mögliche Verluste entschädigt werden.

Der Geschäftsführer von DB Real Estate, Holger Naumann, verteidigte am Donnerstag die Schließung des Fonds. Nach konkreten Hinweisen auf den Neubewertungsbedarf sei dies die einzige Möglichkeit gewesen, den aktuellen Anteilwert verlässlich zu ermitteln. "Letztlich hat sich gezeigt, dass auf Grund der diversifizierten Anlage des Fonds die Wertanpassung in Summe moderat ausgefallen ist", sagte Naumann.

Kein Risiko erneuter Schließung

Wie es auf Anfrage hieß, erwartet die DB Real Estate nicht das Risiko einer erneuten Schließung, etwa dadurch, dass die Anleger möglicherweise nach der Wiedereröffnung in Scharen ihr Geld abziehen könnten. Zur Höhe der Liquidität des Fonds wollte sich die DB Real Estate nicht äußern.

Im Detail zeigt die Neubewertung ein unterschiedliches Bild. Während sich für deutsche Objekte des Fonds laut DB Real Estate insgesamt eine Abwertung von durchschnittlich 5,7 Prozent ergibt, wurden die ausländischen Objekte dagegen um insgesamt durchschnittlich 3,3 Prozent aufgewertet. Künftig will DB Real Estate stärker im europäischen Ausland investieren, derzeit liegt der Anteil bei 40 Prozent.

In der Branche wurde die Schließung weiterhin als extrem ungewöhnlicher Schritt bezeichnet. Schließlich könnten einzelne Objekte jederzeit neu bewertet werden. "Ich glaube, die Deutsche Bank hätte sich und der Branche einen Gefallen getan, wenn sie sich anders entschieden hätte", sagte auch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Bank habe offenbar in der Vergangenheit die Entwicklung einzelner Immobilien falsch eingeschätzt und gehofft, dass sich der Markt wieder drehe. Das sei nicht der Fall gewesen, weshalb man dann auf einen Schlag eine stärkere Neubewertung habe vornehmen müssen.

Kein Handlungsbedarf für Anleger

Für Anleger des Fonds sieht Kurz derzeit aber keinen Handlungsbedarf. Die Investoren würden für Verluste entschädigt und die Neubewertung sei abgeschlossen. "Die Probleme sind jetzt durch." Allerdings müsse sich jeder Anleger grundsätzlich fragen, ob er in Immobilienfonds investieren wolle.

Der Sprecher des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), Andreas Fink, sagte, die Neubewertung habe gezeigt, dass offene Immobilienfonds eine schwankungsarme Anlageform seien.

Die Deutsche-Bank-Tochter hatte am 9. Dezember 2005 die Ausgabe von Anteilsscheinen an dem Fonds eingestellt, um eine Neubewertung vorzunehmen. Verunsicherte Anleger wollten ihre Anteile daraufhin zurückgeben. Das führte am 13. Dezember zur Schließung des Fonds. (APA/AP)

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