Kulturen kreuzen auf hoher See

8. März 2007, 10:57
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Wenn die Uni auf Weltreise geht: Im Jänner 2007 stechen 700 Studenten in See. Vier Monate lang studieren sie auf einem Luxusdampfer interkulturelle Kommunikation

Wien - In 16 Wochen auf einem Kreuzfahrtschiff rund um die Welt. Und danach den Studienabschluss in der Tasche. Was sich illusorisch anhören mag, wird im nächsten Jahr für 700 Weltenbummler Wirklichkeit.

Mit dem Projekt "The Scholar Ship" (TSS) werden angehende Akademiker im Jänner 2007 von Athen aus in See stechen. Über Casablanca geht es nach Buenos Aires, Kapstadt, Perth, Singapur, Cochin und Larnaca, wo man je eine Woche anlegt. "Ich möchte alle Kulturen vernetzen, damit Kommunikation gelebt und gelernt wird", sagt TSS-Präsident Joseph Olander zum UNISTANDARD. Je eine Uni aus Marokko, Australien, Mexiko und Ghana sowie zwei aus China bilden das TSS-Konsortium mit Sitz in Baltimore. Für die Karrierefahrt wird ein Luxusdampfer der Royal Carribbean Cruises zum Lebensraum Uni umgebaut - das Kasino wird zum größten von zehn Hörsälen.

"Es entsteht eine campusähnliche Seele", schwärmt Marketingmanagerin Nicole Niedack. Der Fokus liegt auf dem Austausch der Studierenden. "Wir möchten interkulturelle Leitfiguren aus ihnen machen", erklärt Olander. Inhalte wie "Europe and Islam" oder "Africa in the modern world" würden im täglichen Umgang miteinander Anwendung finden. Viel Zeit für Erholung bleibt dabei nicht: Die Freizeit mutiert zum Uni-Alltag, selbst in den Städten stehen Lernprogramme am Plan.

Belohnt wird der Arbeitsaufwand mit einem Zertifikat in interkulturellem Management für Undergraduates (Voraussetzung ist ein Studienjahr) und einem in internationaler Kommunikation für Postgraduates (mindestens ein Bakk.), welche in einem Zusatzsemester an der Macquarie University, Australien, einen Master of Arts erwerben können. Für die Innsbrucker Diplomandin Claudia Schallauer (24) eine unverzichtbare Gelegenheit, "auch weil ich mir gut vorstellen kann, im Ausland zu arbeiten".

Einzig der Preis verleiht dem Wellenerlebnis einen elitären Touch: 19.950 US-Dollar (rund 16.820 €) haben Studenten zu berappen, die mit an Bord sein wollen. Beinhaltet sind Studiengebühren, Kost und Logis in einer Zwei-Bett-Kabine und medizinische Versorgung. Ein Eliteprogramm sei "The Scholar Ship" nicht, denn "für das, was die Studenten bekommen, ist der Preis ein Schnäppchen", sagt Olander.

Die von Niedack in Aussicht gestellte Chance auf Förderung durch die Heimat-Uni sieht Ida Karner vom Büro für internationale Beziehungen der Uni Wien nicht. Man unterstütze keine Projekte für "zahlende Studenten", sondern setze auf "Chancengleichheit". Für die zweite Weltumrundung im Herbst 2007 verspricht Olander jedenfalls vier Studenten die Gebühren zu erlassen. Emely Martin (24), deutsche Medienpädagogik-Studentin, will sich einen Job suchen, um schon jetzt anzusparen: "Reizvoll ist dabei, Verhaltensweisen anderer Kulturen kennen zu lernen." Dass die Teilnehmer damit ihre berufliche Qualifikation stärken, ist für Ex-Uni-Rektor Olander klar: "Unternehmen wollen Mitarbeiter mit emotionaler Intelligenz, die mit anderen Kulturen umzugehen wissen." (DER STANDARD-Printausgabe, 2.3.2006)

Von Bettina Reicher

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The Scholar Ship

  • "Schiff Ahoi" heißt es für 700 StudentInnen, die auf dem ScholarShip im Jänner 2007 in See stechen.
    foto: scholarship

    "Schiff Ahoi" heißt es für 700 StudentInnen, die auf dem ScholarShip im Jänner 2007 in See stechen.

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