Arbeitslosigkeit hält sich auf hohem Niveau

29. März 2006, 14:58
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Vor allem Ältere und schlecht Ausgebildete waren auch im Februar die großen Verlierer - Insgesamt stieg die Quote um 0,6 Prozent

Wien - Die Entwicklung zeigt, dass "die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wirken", interpretiert das Wirtschaftsministerium die jüngsten Arbeitsmarktdaten. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Februar sei mit plus 0,6 Prozent "fast gestoppt", heißt es. Arbeiterkammer, Gewerkschaft und Opposition stellen jedoch dezidiert fest, dass bei 371.000 Menschen ohne Arbeit "von Entwarnung keine Rede sein kann".

Über dem Vorjahrswert

In Wien, Niederösterreich, Burgenland und Kärnten liegt die Zahl der Personen ohne Job jedenfalls über dem Vorjahreswert. Den größten absoluten Anstieg verzeichnet Wien mit plus 2711 (+3,1 Prozent). Damit wird vom Ministerium per saldo der Gesamtanstieg der Arbeitslosigkeit alleine auf die Bundeshauptstadt zurückgeführt.

Die Anzahl der arbeitslosen Ausländer ist im Jahresvergleich um 2,6 Prozent gestiegen während die Arbeitslosigkeit bei Inländern mit einem Plus von 0,1 Prozent praktisch stagniert. Diese Entwicklung, so das Ministerium, unterstreiche die Notwendigkeit der Verlängerung der Über 2. Spalte gangsfristen zur Arbeitnehmerfreizügigkeit für die neuen EU-Mitgliedsstaaten.

Bauwesen und Sachgüterzeugung rückläufig

Branchenbezogen zeigt sich, dass die Arbeitslosigkeit im Bereich unternehmensbezogene Dienstleistungen um 9,7 Prozent oder im Verkehr und in der Nachrichtenübermittlung (+5,2 Prozent) sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (+9,3 Prozent) noch etwas ansteigt. Die Zahl der vorgemerkten Personen im Bauwesen (–1,6 Prozent), bei sonstigen Dienstleistungen (–2,7 Prozent) und auch in der Sachgütererzeugung (–0,4 Prozent) ist rückläufig.

Erschreckend düster ist das Szenario bei den älteren Arbeitslosen. Wie der STANDARD berichtete, steigt die Zahl der Menschen ohne Job hier dramatisch an. Die Arbeitslosigkeit der über 49- Jährigen ist mit 58.329 im Vergleich zum Februar 2005 überdurchschnittlich (+2,5 Prozent) gestiegen. In der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen waren es 2,4 Prozent mehr, bei den 55- bis 59-Jährigen war es sogar ein Plus von 5,9 Prozent.

Kritik an Regierung

Bei Personen mit höherer Ausbildung ging die Arbeitslosigkeit zurück, bei Betroffenen ohne abgeschlossene Schulausbildung stieg sie extrem, und zwar um 15,8 Prozent, an. Bei Letzterem setzt auch die Kritik an der Arbeitsmarktpolitik der Regierung an. Für Schulungen habe die Regierung das AMS-Budget zwar ausgeweitet, "aber nur für das heurige Wahljahr", kritisiert etwa AK-Präsident Herbert Tumpl. Und: "Wenn die Bundesregierung von einem Zuwachs bei der Beschäftigung spricht, ist das irreführend. Es steigt nur die Zahl der Teilzeitarbeitsplätze. Durch den gleichzeitigen Verlust von Vollzeitarbeitsplätzen gehe in Wirklichkeit Arbeit verloren. "Die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen reichen nicht aus", kritisiert auch Richard Leutner, Leitender Sekretär im ÖGB. Gefordert sei auch ein Umdenken in den Betrieben. Diese müssten älteren Personen eine Chance geben oder für junge Menschen Ausbildungsplätze schaffen. Die Regierung beschränke sich "aber auf Schönfärberei". (Monika Bachhofer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.3.2006)

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    Mit 311.694 Arbeitslosen betrug der Anstieg im Jahresvergleich 0,6 Prozent.

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