Frankreich: Serienmörder Fourniret kehrt zum Tatort zurück

3. März 2006, 13:32
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Erste Nachstellung von Mord an Studentin in Frankreich - Strengste Sicherheitsvorkehrungen wegen Serienmörder

Charleville-Mezieres - Unter größten Sicherheitsvorkehrungen ist erstmals eines der Verbrechen des Serien-Frauenmörders Michel Fourniret nachgestellt worden. Fourniret und seine als Komplizin beschuldigte Frau Monique Olivier wurden am Donnerstag zunächst zum Bahnhof im nordfranzösischen Charleville-Mezieres gebracht.

Dort sollen sie im März 1989 die 22-jährige Studentin Jeanne-Marie Desramault entführt haben, die Fourniret eigenen Angaben zufolge später vergewaltigt und ermordet hatte. Der 63-Jährige soll 1987 bis 2001 mindestens sieben Mädchen und junge Frauen in Frankreich und Belgien umgebracht haben. Der Prozess gegen beide soll dieses Jahr beginnen.

Von Maschinenpistolen begleitet

Begleitet von Bereitschaftspolizisten mit Maschinenpistolen wurden Fourniret und Olivier am Vormittag zu dem weiträumig mit Metallgittern abgesperrten Bahnhof der 300.000-Einwohner-Stadt in der Nähe der belgischen Grenze gebracht. Beide trugen Parkas mit weit ins Gesicht gezogenen Kapuzen und kugelsichere Westen, um Racheakte von Angehörigen oder Freunden der Opfer zu verhindern.

Bei der Nachstellung spielten männliche und weibliche Polizisten unter Aufsicht von Untersuchungsrichterin Anne Devigne Täter und Opfer; ein Peugeot-Kombi stellte das damals von Fourniret benutzte Fahrzeug dar. Olivier erschien äußerst nervös. Sie zog sich ständig die Kapuze ins Gesicht. Fourniret sah von zwei Polizisten eng bewacht ruhig dem Schauspiel zu.

Fourniret war vor zweieinhalb Jahren nach der missglückten Entführung eines 13-jährigen Mädchens in Belgien festgenommen worden. Die Nachstellung vom Donnerstag war die erste seit seiner Auslieferung an Frankreich Anfang des Jahres. Desramaults Leiche war im Juli 2004 nach Hinweisen Fournirets auf dem Gelände des Schlosses Sautou in den Ardennen gefunden worden. Dort und in der damaligen Wohnung Fournirets in Floing bei Sedan, wo die junge Frau ermordet worden sein soll, waren weitere Ortstermine angesetzt.

Widersprüchliche Aussagen

Ziel der Nachstellung sei es zu beweisen, dass das Verbrechen von Fourniret und seiner Frau gemeinsam begangen wurde, sagte der Anwalt der Familie des Opfers, Didier Seban. Fourniret, den Ermittler als eiskalt und berechnend beschreiben, hatte mehrere Taten erst nach massiven Beschuldigungen durch seine Frau eingeräumt. Nach eigenen Angaben hatte sie ihm bei seiner "Jagd nach Jungfrauen" geholfen; in ihren Aussagen widersprach sie sich allerdings häufig.

Fourniret hatte Monique Olivier in den achtziger Jahren kennengelernt, als er wegen Vergewaltigung im Gefängnis saß. Beide ließen sich nach seiner Freilassung 1987 zunächst in einem Dorf südöstlich von Paris nieder. Dort begann die mörderische Karriere Fournirets: Teilweise suchte das Paar über Anzeigen für Au-Pair-Mädchen nach Opfern. Sie zogen immer wieder um, was es den Ermittlern erschwerte, Fourniret auf die Spur zu kommen. Beim Prozess in Frankreich wird auch ein Mord in Belgien mitverhandelt, eine Premiere in der Justizgeschichte beider Länder. (APA/AFP)

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    Michel Fourniret

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