"Operation Karlsbrücke"

26. März 2006, 23:41
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Renovierung soll Prager Wahrzeichen retten. Arbeiten sollen im Juli beginnen

Auf der Prager Karlsbrücke mit ihrer prächtigen Statuenallee buhlen tschechische Puppenspieler, russische Karikaturisten und amerikanische Gitarristen um die Aufmerksamkeit der Passanten. Die seit 1965 lediglich Fußgängern vorbehaltene Verbindung zwischen historischer Altstadt und Burg gilt als meistbesuchtes Denkmal Tschechiens und touristisches Wahrzeichen der Stadt. Doch die Idylle der Vorfrühlingstage täuscht: Experten haben an dem bald 650 Jahre alten Bau ernste Schäden entdeckt, und so muss bereits im Juli mit der Renovierung begonnen werden - allerdings mit der nötigen Rücksicht auf ausländische Besucher.

"Damit sich Touristen und Prager auch im nächsten Jahrtausend an diesem einzigartigen Denkmal erfreuen können, ist seine grundlegende Restaurierung nötig", betonte der Rektor der Technischen Hochschule Prag (CVUT), Jiri Witzany, nachdem im Stadtrat vor wenigen Tagen die Entscheidung zur Renovierung gefallen war. Umfangreiche Mängel listete das Institut schon 1995 auf: Moldau-Wasser unterspült die gotischen Fundamente, Streusalz lässt Sandstein rissig werden, Temperaturschwankungen machen Füllmaterial brüchig. Etwa 8,8 Millionen Euro wird die Renovierung kosten, schätzt Witzany.

Wie saniert man ein 520 Meter langes Bauwerk aus dem Jahr 1357?

Doch wie saniert man ein 520 Meter langes Bauwerk aus dem Jahr 1357? "Nur mit seiner völligen Sperrung", forderten Architekten und blitzten prompt bei Tschechiens Tourismus-Lobby ab. "Das wäre touristischer Selbstmord", meint Jaroslav Petrlik vom Dachverband für Fremdenverkehr. Für viele Urlauber sei ein Spaziergang über die Brücke sowie dem Panoramablick auf die Burg und die Altstadt ein unverzichtbarer Bestandteil eines Besuchs in der "Goldenen Stadt".

So wurde ein Kompromiss gefunden: Während der mindestens zwei Jahre langen Renovierung bleibt auf der zehn Meter breiten Brücke ein vier Meter schmaler Korridor für Touristen offen. Prag-Reisende müssten daher zwar nicht mit einer gesperrten Sehenswürdigkeit, jedoch mit anderen Unangenehmlichkeiten rechnen.

"Baustellen-Touristen"

Zwei Jahre habe es nach dem Moldau-Hochwasser von 2002 gedauert, bis Touristen wieder in gewohnter Zahl nach Prag gekommen wären, erzählt Petrlik. Die damaligen Bilder von der gesperrten Karlsbrücke seien um die Welt gegangen. Jetzt sei sogar nicht ausgeschlossen, dass die Brücke mit ihren 16 Bögen wegen der ungewohnten Ansichten während ihrer Renovierung am Ende mehr Besucher anzieht als sonst, glaubt er. Fast vier Millionen Touristen besuchten im vergangenen Jahr die böhmische Metropole, zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Statiker werden während der Renovierung der Brücke den steinernen "Mantel" abnehmen und "Baustellen-Touristen" damit einen Blick ins Innere ermöglichen. "Aber es könnte Überraschungen geben", meint Prags langjähriger Oberbürgermeister Jan Kasl. Zwar hätten Experten schon vor Jahren Probebohrungen vorgenommen, gibt er zu bedenken: "Aber niemand kann mit absoluter Sicherheit sagen, auf was man wirklich stoßen wird, wenn man diese Brücke aufmacht." (apa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Von der Altstadt kommt man über die Karlsbrücke zur Burg.

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