Die Schönheit und ihr Preis

21. Juli 2006, 12:40
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Nobelkosmetik ist teuer: Man kauft sich damit keinen Wirkstoffcocktail, sondern ein Gesamtkonzept - Die Schönen und die Teuren im Überblick

Wer mit Kosmetik nichts anfangen kann, schüttelt verständnislos den Kopf, wenn ein Kosmetik-verliebter Freund oder Freundin die Beute vom Parfumerie-Einkauf vor seinen Augen ausbreitet. Was das alles kostet! Kann es das überhaupt wert sein? Rechtfertig der Inhalt einen solchen Preis? Kann das soviel besser sein als die blaue Zwei-Euro-Dose? Estée Lauder soll die Frage in den 50er-Jahren, als das Spitzenprodukt des Hauses über hundert Dollar kostete, einmal so: "Die Materialien, die in einem berühmten Gemälde verarbeitet werden, ergeben in der Summe niemals den Verkaufspreis. Aber es ist das Gesamtkunstwerk, die Idee, die Kreation und die Schöpfung, wofür wir bezahlen."

Nun entlockt ein Preis von 100 Dollar heutzutage Insidern ein müdes Lächeln, die gute Estée hat uns auch schon eine Weile verlassen. Und nach oben, preislich gesehen, reckt sich und streckt sich die gesamte Kosmetik-Branche.

La Crème um 600 Euro

Kanebo hat damit angefangen, sein Spitzenprodukt zu einem damals außerordentlichen Preis anzubieten. La Crème im güldenen Pot unter dem Glassturz, fand seine Käufer und wurde allen Unkenrufen zum Trotz eine lange Erfolgsgeschichte. Gibt's heute in einer gerelaunchten Version um 600 Euro. In diesen Gewässern kreuzt auch La Prairie mit einem Preis von 590 Euro für 100 Milliliter Caviar luxe Cream. Clé de peau zog mit einer ähnlich teuren La Crème genannten Creme zu 470 Euro nach. Dagegen nimmt sich die Estèe Lauder-Tochter La Mer mit den bescheiden auftretenden weißen Tiegeln zu 222 Euro wie ein Aschenputtel aus.

Nun schnuppern auch Brands, die für "vernünftige" Preispolitik bekannt sind, im oberen Segment. Lancome etwa konzipierte mit Secret de Vie, die im März in die Regale kommt, eine Alleskönner-Creme mit luxuriöser Ausstattung. Ein rosa schimmernder runder Tiegel mit der Anmutung einer Perle beherbergt eine Creme, die alle wesentlichen Hauternährer aufweisen kann und verspricht in den tieferen Hautschichten ihr gutes Werk zu vollbringen. Bei hoch-luxuriöser Ausstrahlung kostet die Riesenperle um die 200 Euro.

Eine Perle um 348 Euro

Noch eine Perle gibt's von Helena Rubinstein. Life Pearl Cellular will dort einsetzen, wo die Hormonproduktion nachlässt. Neuartige Zellboten sollen die Wirkstoffe dort abliefern, wo sie der Straffung und Nährung der Haut dienen und wollen insgesamt das "Skelett" der Zelle" stützen. Der Flakon ist mit "Schwarze Perle" auch nicht schlecht beschrieben. Kostet 348 Euro.

Re-Nutriv Re-Creation um 950 Euro

Den Preisvogel der Saison schießt Estée Lauder ab. Re-Nutriv Re-Creation Day Creme & Night Cream versprechen einen kompletten Neustart für die Haut. Die Creme-Zwilling machen mit einer Rundumversorgung mit Kalzium, mit verschiedenen Anti-Oxidantien, 74 Spurenelementen und einem ganz feinen das Leben schöner. Und zwar zum Preis von 950 Euro. Fazit: Würde man Gustav Klimts Wareneinsatz bei der Erzeugung der goldenen Adele aufaddieren, käme man vielleicht nicht auf die vielzitierten Euro-Millionen. Aber so vergleichbar sind die Produkte und ihre Märkte dann auch wieder nicht.
(Der Standard/rondo/03/03/2006)

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