Andritz mit Rekordjahr 2005

14. März 2006, 15:45
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Der Betriebsgewinn des steirischen Anlagenbauers stieg um mehr als 40 Prozent, die Dividende wird kräftig erhöht

Wien - Der börsenotierte Anlagenbauer Andritz erhält durch die absehbare Akquisition der VA Tech Hydro ein neues, fünftes Geschäftsfeld (hydraulische Maschinen), in dem künftig ein Viertel des Umsatzes gemacht wird. Der Grazer Konzern wird bei Wasserturbinen damit nach eigenen Angaben weltweite Nummer drei, sagte Andritz-Vorstandschef Wolfgang Leitner, der am Donnerstag bei der Jahres-Pressekonferenz in Wien ein neuerliches Rekordergebnis vorgelegte.

Dividendenerhöhung um 40 Prozent

Der Umsatz 2005 fiel mit 1,744 (1,481) Milliarden Euro um 17,8 Prozent höher aus, der Betriebsgewinn (Ebit) legte gegenüber dem Vorjahr um 40,2 Prozent auf 106,7 (76,1) Millionen Euro zu. Leitner kündigte an, den Aktionären für vergangenes Jahr eine auf 2,00 (1,40) Euro pro Jahr erhöhte Dividende vorzuschlagen. "In den nächsten Jahren" soll die Ausschüttungsquote von derzeit gut 30 auf 40 Prozent angehoben werden. Für 2006 gab sich der Andritz-Chef "vorsichtig-optimistisch" und sagte, er rechne mit nicht näher definierten Steigerungen bei Umsätzen und Gewinnen.

Der Auftragspolster ist nach einem Rekordjahr bei Neuaufträgen für Walz- und Bahnbehandlungsanlagen (Stahl) sowie in der Umwelttechnik prall gefüllt. Er liegt per Jahresende 2005 bei 1,7 Milliarden Euro auf Höhe eines Jahresumsatzes.

Neuigkeiten zu den Verhandlungen mit Siemens über den Verkauf der VA Tech Hydro wollte Leitner nicht berichten. Der Abschluss, der Andritz etwa 600 Millionen Euro mehr Umsatz und 3.000 Beschäftigte mehr bescheren wird, wird für Mitte März erwartet. Leitner wollte die Auswirkungen des Deals auf die Gewinnmargen ebenso wenig beziffern wie jene auf die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens. Per Jahresende 2005 beschäftigte Andritz weltweit knapp 6.000 Mitarbeiter.

130 Jahre Erfahrung mit Wasserturbinen

"Andritz hat seit 130 Jahren Erfahrung mit Wasserturbinen", erklärte Leitner. Bis 1999 hatte Andritz für Sulzer-Escher Wyss Turbinen gefertigt, das Geschäft war danach an die VA Tech verkauft worden, die es selbst weiter betrieben hatte. Nach einer Hydro-Übernahme wären Turbinen mit 25 Prozent der zweitgrößte Geschäftsbereich. Anlagen für die Papier- und Zellstoffindustrie würden mit 42 Prozent den weiterhin größten Umsatzanteil beisteuern.

Die derzeit 23,6-prozentige Eigenkapitalquote von Andritz würde jedenfalls nicht wesentlich verwässert werden, ein Hydro-Deal würde weitere Akquisitionsvorhaben nicht behindern, hieß es. Eine Nettoliquidität von 380 Millionen Euro sei für weitere Zukäufe ausreichend, eine Eigenkapitalzufuhr nicht geplant, sagte Leitner.

Übernahmeversuch ausgeschlossen

Vor dem Hintergrund eines in den vergangenen Wochen deutlich gestiegenen Aktienkurses zeigte er wenig Besorgnis, dass Andritz zum Übernahmeziel werden könnte. Leitner kontrolliert über seine Certus-Stiftung 26 Prozent des Unternehmens. Ein Übernahmeversuch habe "keine besonders hohe Wahrscheinlichkeit", glaubt er.

Hinsichtlich ökologisch oder sozial heikler Projekte, die nach der Hydro-Integration zahlreicher werden könnten, erklärte Leitner, man wolle dabei "versuchen alle Aspekte unter einen Hut zu bringen". Entsprechende "environmental impact studies" würden geprüft. Andritz werde seine Entscheidung, ein Projekt durchzuführen aber nicht von der jeweiligen Garantie-Entscheidung der Kontrollbank (OeNB) abhängig machen. Die Industrialisierung im "Norden" zu verfolgen, sie den Menschen in Asien aber vorzuenthalten, komme einem "Umweltimperialismus" gleich, so Leitner.

Umweltschützer hatten im vergangenen August das Grazer Andritz-Werk wegen eines Zellstoffprojekts in Indonesien blockiert. Übernahmekandidat VA Tech Hydro hofft auf einen 250 Millionen Euro schweren Auftrag für den türkischen Ilisu-Staudamm, der aus humanitären und ökologischen Gründen von den NGOs bekämpft wird.

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