Vier Tote bei Anschlag auf US-Konsulat

9. März 2006, 14:25
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US-Diplomat getötet - Polizei geht von Selbstmordanschlag aus

Karatschi - Weniger als 48 Stunden vor dem Besuch von US-Präsident George W. Bush in Pakistan hat sich vermutlich ein Selbstmordattentäter nahe des US-Konsulats von Karatschi in die Luft gesprengt. Er riss drei Menschen mit in den Tod. Unter den Opfern ist den Behörden zufolge auch ein Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes der USA. Bush erklärte, er werde trotzdem wie geplant in das Land fliegen. "Terroristen und Mörder werden mich nicht davon abhalten, nach Pakistan zu reisen", sagte er in Indien.

Der Besuch gilt als Geste der Unterstützung für Präsident Pervez Musharraf, der im Kampf gegen den Terrorismus eng mit den USA zusammenarbeitet, im eigenen Land deswegen aber unter hohem Druck steht.

Die Bombe explodierte in der südlichen Hafenstadt etwa 30 Meter von dem Konsulat entfernt. Einer der Toten wurde zunächst nicht identifiziert. Die Polizei vermutete aber, dass es sich um den Selbstmordattentäter handele. Anfangs hatten die Sicherheitskräfte von fünf Toten gesprochen.

Der Attentäter habe offenbar auf dem Parkplatz eines Hotels in der Nähe des Konsulats gewartet und sei dann mit seinem Auto in ein anderes Fahrzeug gefahren, in dem Mitarbeiter der US-Vertretung zur Arbeit fuhren, sagte ein Ermittler. Dabei habe er den Sprengsatz gezündet. "Es war eine terroristische Tat", sagte der Polizeichef Karatschis. Provinzregierung sieht Al-Kaida-Bezug

Innenminister Sheikh Rashid Ahmed ging von einem direkten Zusammenhang mit Bushs Besuch aus: Hinter dem Anschlag steckten Gruppen, die eine Botschaft absetzen wollten und zu Bushs Eintreffen Schwierigkeiten bereiten wollten, sagte er einem privaten Fernsehsender. "Der Besuch wird aber erfolgreich sein", betonte er. Ein Sprecher der zuständigen Provinzregierung verdächtigte die Al-Kaida-freundliche Gruppe Jundulah.

Bush wird die mehr als neun Millionen Einwohner zählende Stadt Karatschi nicht besuchen. Jüngsten Angaben zufolge sollte er bereits am späten Freitagabend in Islamabad eintreffen, zuvor war die Ankunft für Samstagmorgen geplant. Die im Vergleich zu Karatschi deutlich kleinere Hauptstadt sollte für die Zeit seines eintägigen Aufenthalts umfassend abgesperrt werden.

35 Verletzte

Der Polizei zufolge wurden bei dem Anschlag zudem mindestens 35 Menschen verletzt. Auch ein Kind wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Es stammte offenbar aus Marokko. Ein Wachmann der diplomatischen Vertretung sagte: "Ich stand auf meinem Posten, als es knallte, und dann wurde ich von etwas getroffen, das durch die Luft flog."

Aus der Stärke der Explosion schlossen die Beamten, dass die Bombe aus mindestens 15 Kilogramm Sprengstoff bestand. Sie riss ein vier Meter breites und einen Meter tiefes Loch mitten in die Straße, die an den Parkplatz des Hotels angrenzt. Im Hotel und in einem Umkreis von mehreren hundert Metern gingen Fensterscheiben zu Bruch. "Das Auto hatte eine große Menge an Sprengsätzen geladen, und das hat das heftige Feuer verursacht", sagte der Ermittler.

Bereits im Jahr 2002 war vor dem Konsulat von Karatschi ein Anschlag verübt worden. Damals kamen zwölf Pakistaner ums Leben. Moslemische Organisationen haben für Freitag zu einem Tag des Protests gegen die in Europa veröffentlichten Mohammed-Karikaturen aufgerufen. Die Demonstrationen dagegen halten seit Wochen an und richten sich mehr und mehr gegen die USA und gegen Musharrafs Bündnis mit Bush. Viele Pakistaner sind dagegen, dass sich ihr Land am Kampf gegen den Terrorismus beteiligt, den Bush nach den Anschlägen am 11. September 2001 ausgerufen hat. Der für die Attentate verantwortliche Chef der Al-Kaida, Osama bin Laden, wird im unwegsamen Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet. (Reuters)

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    Zwei Autobomben explodierten nahe dem US-Konsulat

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