Hochwasserschutz geht vor Naturschutz

2. März 2006, 20:11
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Der Auwald in Vorarlberg muss Bregenzerach weichen -

Bregenz - Hochwasserschutz oder Naturschutz? Nirgendwo zeigt sich das Dilemma der Vorarlberger Umweltpolitik zurzeit deutlicher als an der Bregenzerach. Motorsägen und Bagger verändern dort das Landschaftsbild. Am Fluss, der die Landeshauptstadt von den Nachbargemeinden trennt, ist bis Ende März Kahlschlag angesagt. Trotz Negativ-Gutachtens nach Natur-und Landschaftsschutz. Der Rodungsbescheid war Ergebnis einer amtlichen "Gemeinwohlabwägung": Der Hochwasserschutz sei höher zu bewerten als die Nachteile für Natur und Landschaft, heißt es im Bescheid.

Tausende Menschen im Uferbereich bedroht

Denn der Auwald, der sich während der vergangenen 50 Jahre ungestört entwickeln konnte, wurde zur Gefahr für die Anrainergemeinden, sagen die Wasserbauer. Bei Hochwasser reißt die Ach die großen Bäume mit, die sich dann an den Brücken verkeilen und gefährliche Verklausungen verursachen. Wie im August des letzten Jahres. Da war die Ach "bordvoll" und bedrohte Tausende Menschen, die um Uferbereich wohnen. Die Siedlungen reichen in den betroffenen Gemeinden bis dicht an die Dämme.

Auf sieben Kilometer Länge wird das Achufer nun zwischen Hard und Kennelbach ab- und ausgeholzt. Weiden und Büsche dürfen künftig nur als Niederwald wachsen. Durch die Entfernung des Waldes wird die Abflussmenge um zehn Prozent erhöht, man gewinnt dadurch im Hochwasserfall (vorausgesetzt, das Hochwasser hält sich an die Berechnungen) eine Reserve von einem halben Meter. Für Robert Fontanari vom Landeswasserbauamt "die einzig sinnvolle Maßnahme, die man kurzfristig setzen kann". Die Bürgerinitiative zur Erhaltung des naturnahen Achufers sieht das anders, nämlich "als kurzsichtige Maßnahme und gravierenden Eingriff in ein natürlich gewachsenes ökologisches System".

Wie die Naturschutzanwaltschaft fordert auch die Bürgerinitiative mehr Konzept beim Hochwasserschutz. Noch liegen weder Gefahrenzonenplan noch ein Gewässerbetreuungskonzept vor. Vom Gefahrenzonenplan, der im Sommer fertig sein soll, werde es abhängen, sagt Fontanari, ob weitere Maßnahmen an der Ach, wie die Erhöhung der 70 Jahre alten Dämme, notwendig sind. (jub, DER STANDARD Printausgabe 2.3.2006)

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