Astra steigt ins digitale Pay-TV ein

13. März 2006, 11:54
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Digitales Satellitenfernsehen soll ab 2007 Geld kosten - SES Astra will Sender wie RTL und ProSieben verschlüsseln

Düsseldorf - Für das digitale Satellitenfernsehen werden etliche Millionen Haushalte künftig Gebühren zahlen müssen. Europas größter Satellitenbetreiber SES Astra will ab 2007 bisher frei empfangbare Fernsehsender digital verschlüsseln und dafür eine monatliche Gebühr von bis zu fünf Euro fordern, wie Astra-Chef Ferdinand Kayser am Mittwoch in deutschen Zeitungsinterviews ankündigte.

Kayser zufolge verhandelt der Luxemburger Konzern mit den führenden Sendergruppen ProSiebenSat1 und RTL über eine elektronische Verschlüsselung ihrer Programme. ARD und ZDF wollen nach eigenen Angaben nicht mitmachen.

Gebühr um die fünf Euro

Über die monatliche Gebühr hinaus brauchen die Zuschauer demnach künftig eine Zugangskarte, die so genannte Smartcard, und ein passendes Empfangsgerät (Decoder/Set-Top-Box). Wie hoch die Gebühr ausfallen wird, ist nach Angaben Kaysers noch nicht entschieden. Sie werde aber "sicherlich unter fünf Euro liegen", sagte der frühere Chef des deutschen Bezahlsenders Premiere der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Mittwoch.

Decoder-Kauf unumgänglich

Zusätzlich müssten die Kunden eine einmalige "Freischaltgebühr" von voraussichtlich rund zehn Euro bezahlen. Millionen von Haushalten benötigen Kayser zufolge überdies neue Decoder, weil ihre alten Geräte nur unverschlüsselte Programme verarbeiten können.

Die neuen Geräte müssten die Kunden selbst kaufen, sagte Kayser dem Blatt: "Eine Subventionierung ist wegen der hohen Stückzahlen für uns nicht finanzierbar." Sie würden künftig im Handel "bereits für deutlich unter 100 Euro" angeboten. Für eine Übergangszeit von ein bis zwei Jahren werde Astra aber voraussichtlich die Programme parallel auch weiter unverschlüsselt ausstrahlen.

Sender profitieren

Bei den beiden führenden deutschen Privatfernsehkonzernen ProSiebenSat1 und RTL stoßen die Pläne von Astra auf Zustimmung: "Wir sehen nur Nutzen bei einer solchen Plattform", sagte eine ProSiebenSat1-Sprecherin dem "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Auch ein RTL-Sprecher versicherte der Zeitung: "Verschlüsselung ist eine Option für uns." Die Sender sollen nach Kaysers Worten einen kleineren Anteil der Gebühr abbekommen. Kritik kam dagegen von den öffentlich-rechtlichen Anstalten. "Eine Verschlüsselung wird es mit uns nicht geben", sagte der amtierende ARD-Vorsitzende Thomas Gruber der Online-Ausgabe tagesschau.de. Auch ZDF-Intendant Markus Schächter kündigte in der "FAZ" an: "Wir machen da nicht mit."

Mit ihren Verschlüsselungsplänen hatten die Privatsender und der Satellitenbetreiber bereits die Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen: Das deutsche Bundeskartellamt prüft derzeit einen Verdacht auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Dabei gehe es allerdings nur um die Frage, ob die technische Einrichtung der Decoder zur Marktabschottung genutzt werden könne, sagte eine Behördensprecherin. "Es ist nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, ob für verschlüsselte Programme Gebühren erhoben werden oder nicht." Die Unternehmen hätten bereits "umfangreiche Stellungnahmen" eingereicht, die das Kartellamt derzeit prüfe. (APA/AFP)

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