Die Pannenrebellion

28. März 2006, 19:58
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Es sind nicht die edelsten Gefühle, die manche von uns angesichts sich verletzender Kinder und sich Blessuren holender Sportler ...

Die vielen Pannenshows - man könnte sie fast schon als Erlösung betrachten, als die Rebellion eines gütigen Weltgeistes, der allem TV-mäßig vermittelten Perfektionsfetisch etwas Wahres, Reales und Erleichterung Verschaffendes entgegensetzen will.

Wer die Stern-Backstage-Reportage über jene Cateringfirma gesehen hat, die sich um das leibliche und sonstige Wohl der bei der letzten Goldene-Kamera-Verleihung erschienenen bekannten Menschen gekümmert hat, der versteht, was wir meinen. Auch er wurde Zeuge von Nervenzusammenbrüchen der Köche - angesichts zu unterschiedlich lang geschnittener Tonnen von Karotten.

Kaum davon erholt, überzog auch Gottschalk mit seiner Rede. Katastrophe! Das Steakchen konnte nicht zeitgerecht und somit auch nicht ideal temperiert serviert werden. Dieser Vollkommenheitsstress wirkte schon grausam. Da wollte man die Pannenshows als heilsame Eldorados der allzu Menschlichen betrachten. Das Vollkommene ist auch Begnadeten ja nur für Minütchen gegeben, was man etwa an der Arbeit brasilianischer Ballphilosophen sehen kann.

Andererseits: Es sind nicht die edelsten Gefühle, die manche von uns angesichts sich verletzender Kinder und sich Blessuren holender Sportler in herzliches Gelächter ausbrechen lassen. Keine Ahnung also, ob wir für diese Formate sein sollen, aber wir denken weiter. Am 8. März gibt es neue Gelegenheit, da beginnt der ORF mit einem Hoppala-Format. Die 16-minütige Minisendung soll Fußball-Fans das Warten auf die Übertragung der Champions-League-Spiele erleichtern. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 2.3.2006)

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