"Klimt": Ein leiser Verführer als Lebemann

1. März 2006, 18:22
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John Malkovich, im Kino Raoul Ruiz' "Klimt", im Porträt

Als die ersten Setfotos von Raoul Ruiz' Film über Gustav Klimt auftauchten, war man zuvörderst über einen Umstand erstaunt: Die Ähnlichkeit von John Malkovich mit seinem realen Vorbild war verblüffend - eigentlich ungewöhnlich, da die auf täuschende Ähnlichkeit zielende Aneignung einer Rolle nicht zu den Charakteristika des US-Schauspielers gehört.

John Malkovich ist ein Star, der immer auf sich selbst verweist. Nicht umsonst hat ihm der geniale Drehbuchautor Charlie Kaufman einen Film gewidmet, der "Being John Malkovich" heißt und direkt ins rätselhafte Innerste des Mimen führt. In "Klimt" verkörpert der 1953 in Christopher (Illinois) geborene Schauspieler den österreichischen Maler denn auch auf die ihm vertraute Weise: nicht als getriebenes Subjekt, sondern als Lebemann, der auch mal mit Politikern das Bordell besucht.

Als suggestiven Verführer, der sich mit sanfter Stimme, aber stets sehr zielgerichtet an sein Objekt der Begierde herantastet, kennt man ihn, beispielsweise aus Stephen Frears "Dangerous Liaisons". Von dieser Qualität abgesehen, ist Malkovich aber auch zum Bösewicht prädestiniert, dessen äußere Ruhe den inneren Wahnsinn nur umso deutlicher herausstreicht. In Wolfgang Petersens Thriller "In the Line of Fire" ist er der dämonische Ruhepol, der Clint Eastwood als Agenten in Bewegung versetzt; in Frears "Mary Reilly" gleitet er mühelos vom geschmeidigen Dr. Jekyll zum geifernden Mr. Hyde über.

Seine ersten Schauspielerfahrungen sammelte Malkovich übrigens auf der Bühne des experimentellen "Steppenwolf Theatre", das Gary Sinise anführte, der mittlerweile bei der TV-Serie "C.S.I. New York" ermittelt. Malkovich wirkte an über 50 Produktionen mit, später spielte und inszenierte er auch am New Yorker Broadway. Der Erfolg auf der Bühne brachte ihn erst relativ spät, im Alter von 31 Jahren, als Charakterdarsteller nach Hollywood. 1984 debütierte er in Roland Joffes Kambodscha-Drama "The Killing Fields".

Privat lebt Malkovich relativ zurückgezogen mit seiner zweiten Frau Nicoletta Peyran und zwei Kindern in Paris. Europa steht ihm näher als die US-Traumfabrik. Das bedeutet aber nicht, dass er mit Kritik hintanhält: Jacques Chirac kritisierte er etwa öffentlich für seine "zynische und arrogante" Haltung zum Irakkrieg.

Was die Wahl seiner Rollen betrifft, kann es sich Malkovich mittlerweile leisten, persönlichen Vorlieben nachzugehen. An "Klimt" gefiel ihm, dass er ein Mann des Volkes blieb und auch athletische Qualitäten besaß: "In einer Szene musste ich sogar ein paar Leute niederschlagen", schwärmte er in einem Interview. Die Ähnlichkeit zu Klimt? Ein Geschenk des Zufalls. "Wir setzen Archetypen um. Klimt ist tot, ich kann mir nur vorstellen, wie er war." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2006)

Von Dominik Kamalzadeh
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