Siemens baut mit Elin doch keinen Cluster

28. März 2006, 19:19
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Nach dem Verkauf der Wasserkraft "Hydro" an Andritz beginnt Siemens mit dem Frühlingsputz. Als Erstes wird der geplante Industriecluster Siemens-Elin deutlich abgespeckt

Wien - Noch ist der Verkauf der VA-Tech-Kraftwerkssparte an Andritz nicht im Trockenen, schon stehen weitere "Bereinigungen" an. Im Mittelpunkt steht der kalorische Kraftwerksbau ("Combined Cycle", CC), den Siemens überraschend doch nicht mitverkauft hat und in dem am Standort Penzinger Straße bzw. Linzer Straße 230 bis 250 Mitarbeiter mit Planung, Engineering und Projektabwicklung beschäftigt sind.

CC ist ohne sein Herzstück, die Gasturbine von General Electric (GE), "mit Sicherheit zu groß dimensioniert", sagen österreichische Siemensianer. In der Rest-VA-Tech heißt es sogar, er würde verkauft, weil Siemens dieses Geschäft von Erlangen aus steuert und die Fachleute für GE-Turbinen "kein Mensch" mehr brauche.

Deshalb werde derzeit ein Management-Buyout vorbereitet. Da für den Gas-Kombi- Kraftwerksbau enorme finanzielle Kräfte notwendig sind - VA Tech brauchte für diese Sparte je nach Auftragsstand Haftungen und Garantien im Volumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro -, wird hinter den Führungskräften ein internationaler Konzern vermutet: Mitsubishi Heavy Industries aus Japan, die beim Verkauf der "Hydro" mangels eines Wasserkraftpartners leer ausgegangen ist.

"Verkaufen nicht"

Siemens-Chefin Brigitte Ederer verneint, sie lässt ausrichten: "An Informationen über einen Weiterverkauf von Combined Cycle ist nichts dran." Nichtsdestotrotz werden in der CC-Sparte Führungskräfte aus dem Stammhaus in Deutschland mit derartigen Ankündigungen zitiert.

Anders als geplant kommt auch einiges im "Stammhaus" in Wien: Von dem von ihrem Vorgänger angekündigten Industriecluster "Siemens-Elin" bleibt nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung nichts übrig. Elin EBG wird - wie auch Energieübertragung und -verteilung (T&D) - in die Siemens AG Österreich integriert, der Industrieanlagenbau in Linz bleibt in Erlangen. Ederer bestätigt, dass die vereinigte Siemens-VA Tech neu strukturiert wird, der Industriecluster werde innerhalb der Siemens AG Österreich gebildet.

Dass bei dieser Gelegenheit gleich 500 Beschäftigten eine einvernehmliche Auflösung ihrer Dienstverhältnisse mitgeteilt worden sei, bestätigte die Neo-Siemens-Chefin allerdings nicht. Auch nicht, dass die nur mehr auf dem Papier bestehende VA Tech 2005 weit mehr verdient hat, als vom ausrangierten VA-Tech- Vorstand unter Generaldirektor Klaus Sernetz für 2005 prophezeit. Trotz des Debakels in Hamburg und trotz der Schließungskosten für die Trafo^werke in Peebles (Schottland) und St. Catherines (Kanada) soll der Betriebserfolg (Ebit) nicht nur 66 Millionen Euro, sondern rund 85 Millionen Euro betragen haben. Hauptertragsbringer waren laut hohen Siemens-Managern der Industrieanlagenbau und das Energiegeschäft (T&D). "Wir haben keine neuen Zahlen für 2005", lässt Ederer ausrichten.

Mit den Zahlen beschäftigten wird sich Siemens München müssen. Gegen deren Hauptversammlungsbeschlüsse hat Aktionär Rudolf Krtina geklagt, weil Siemens Auskünfte verweigerte. (ung; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2006)

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    Vom angekündigten Industriecluster "Siemens-Elin" bleibt nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung nichts übrig.

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