Rote Hochstimmung am "Morgen danach"

8. März 2006, 13:25
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Schaunig genießt den Ruf als starke Frau

Klagenfurt – Kärnten, so sagt man, sei ein Land der starken Mütter, die den Männern bisweilen sehr deutlich zeigen, wo's langgeht. Kärntens SPÖ-Chefin Gaby Schaunig wirkt äußerlich zwar nicht unbedingt mütterlich, doch mit weiblicher Stärke hat sie bisher nicht nur gekonnt gegen Jörg Haider gepunktet, sondern diese auch erfolgreich in ihrer eigenen männerdominierten Partei einsetzen können.

Von Anfang an hat Schaunig keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen die so genannte Chianti-Koalition gemacht und wurde am letzten Parteitag dafür zur Parteichefin gewählt. Jetzt löste sie einen Teil ihrer Versprechens, das Ende Haiders in Kärnten einzuläuten, ein.

Kein Aufmucken

Die Partei folgte ihr ohne Aufmucken, als es nun galt, die ungeliebte, aber doch auch praktische Koalition mit Haiders Orangen aufzukündigen. Trotz so mancher Bedenken, vor allem der Bürgermeister und der Gewerkschaft sind die Kärntner SPÖ-Reihen so dicht geschlossen, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr – genau genommen seit dem Abgang des Altmeisters Leopold Wagner, der hinter sich ein politisches Vakuum und jede Menge sich einander mit ausgesuchter Bosheit bekämpfende Kronprinzen hinterlassen hatte.

"Hunderprozentig" fielen Dienstagabend die Beschlüsse in den Parteigremien, mit denen Schaunigs vorschnelle Todeserklärung der orange-roten Koalition im Nachhinein abgesegnet wurde. "Man konnte ja nur mit einem Ausstieg reagieren", streut der ehemals eifrige Koarchitekt der Chianti-Koalition, der Sankt Veiter Bürgermeister Gerhard Mock, am Tag danach seiner Parteichefin Rosen. "Man muss ehrlich sagen, Haider ist einfach nicht paktfähig."

"Parteirebell"

Auch der Spittaler Stadtchef Gerhard Köfer, einst ebenfalls vehementer "Chianti"-Befürworter ist "froh, dass alles vorbei ist". Zumindest schweigsam verhält sich der Wolfsberger "Parteirebell" Gerhard Seifried. Mehr als ein "No comment" ist ihm nicht zu entlocken.

Heftige persönliche Angriffe erntet Schaunig dagegen vom BZÖ. Vizekanzler Hubert Gorbach warf Schaunig vor, dass es ihr lediglich um Karriere und persönliche Eitelkeit gehe. Haider droht der SPÖ mit dem Verlust des lukrativen Gemeindereferats.

"Es herrscht wieder Aufbruchsstimmung in der SPÖ, mehr noch, wir sind kampfeslustig, wie schon lange nicht mehr", freut sich SPÖ-Klubobmann Peter Kaiser. Er selber, sagt der passionierte Marathonläufer, sei "schon lange nicht mehr so gut gelaufen wie am Morgen danach". (DER STANDARD, Printausgabe, 2.3.2006)

Von Elisabeth Steiner
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