Martha Rosler erhielt Oskar Kokoschka Preis

1. März 2006, 16:35
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Höchstdotierte Auszeichnung für bildende Kunst in Österreich an New Yorker Künstlerin

Wien - Die New Yorker Künstlerin Martha Rosler wurde am Mittwoch mit dem Oskar-Kokoschka-Preis 2006 ausgezeichnet. Mit 20.000 Euro Preisgeld ist der Preis die höchstdotierte Auszeichnung für bildende Kunst in Österreich. Bei der Verleihung im Ausstellungszentrum der Universität für angewandte Kunst Wien im Heiligenkreuzer Hof hielt die Kunsthistorikerin Gabriele Werner, die auch in der Jury vertreten war, die Laudatio. Der ursprünglich als Laudator vorgesehene MUMOK-Direktor Edelbert Köb war ausgerechnet durch einen Termin in New York verhindert.

Künstlerische und gesellschaftspolitische Fragestellungen

Die Jury unter dem Vorsitz von Angewandten-Rektor Gerald Bast hatte mit ihrer Entscheidung eine Künstlerin gewürdigt, die "seit Mitte der sechziger Jahre konsequent und richtungsweisend an einer Verbindung von künstlerischen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen arbeitet." Ihre von einem eingehenden Interesse an kunsthistorischen, sozialen, architektonischen und feministischen Themen gekennzeichneten Gestaltungen hätten bis heute maßgeblichen Einfluss auf das Schaffen mehrerer Generationen junger KünstlerInnen und Künstler.

Werner setzte sich in ihrer Laudatio u.a. exemplarisch mit Roslers Arbeit "Bringing the war home" auseinander. "Es ist der Respekt vor dieser kontinuierlichen und erfolgreichen Intervention in die visuellen Kulturen auf dem Felde des Politischen, weshalb die Jury aus vollster Überzeugung und mit Freuden Martha Rosler zur diesjährigen Preisträgerin des Oskar-Kokoschka-Preises wählte", so Werner.

documenta, Biennale, Lehrtätigkeit

Martha Rosler wurde 1943 in Brooklyn, New York, geboren. Das konzeptuelle Werk der Künstlerin, deren Vater aus Österreich stammt, umfasst Videos, Installationen, Foto- und Foto/Text-Arbeiten, Collagen sowie Performances, in denen sie die Bedingungen unseres sozialen Miteinanders sowie unserer von Massenmedien geprägten kulturellen Erfahrung untersucht. Ihre Arbeiten waren unter anderem 1982 auf der documenta in Kassel und 2003 auf der Biennale von Venedig vertreten. Rosler ist auch als Kritikerin tätig und lehrt an der Rutgers University in New Brunswick, New Jersey.

In Wien waren Werke Roslers im Vorjahr in der Ausstellung "Wie Gesellschaft und Politik ins Bild kommen" der Generali Foundation vertreten. Ihre Foto-Textinstallation "Die Bowery in zwei unzulänglichen Beschreibungssystemen" (1974-75) nennt die Foundation eines der Schlüsselwerke ihrer Sammlung.

Der Oskar Kokoschka-Preis wurde 1980, im Todesjahr des 1886 in Pöchlarn geborenen Malers, von der Bundesregierung gestiftet. Er wird alle zwei Jahre an einen bildenden Künstler in Anerkennung seines Schaffens verliehen. Der erste Preis ging 1981 an Hans Hartung, seither wurden u.a. Gerhard Richter, die Maler von Gugging, Agnes Martin, Jannis Kounellis, John Baldessari, Maria Lassnig, Valie Export, Ilja Kabakov und 2004 Günter Brus ausgezeichnet. Die Verleihung findet traditionell an Kokoschkas Geburtstag statt. (APA)

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