Höchst rares Sammelgut

8. März 2006, 19:36
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Ingres-Originale sind selten und dementsprechend teuer

Paris – Dem neoklassischen Maler Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867) gilt derzeit eine Retrospektive im Louvre. 79 Gemälde und 101 Zeichnungen wurden aus aller Welt geliehen bzw. stammen aus Beständen des Museums. Der für seine Akte beliebte Ingres zählt besonders in den USA zu den Klassikern der französischen Malerei.

"Jeder Sammler, der etwas auf sich hält", erklärt der Pariser Experte Eric Turquin, "möchte unbedingt einen Ingres besitzen. Sobald ein Gemälde oder eine Zeichnung auftaucht, sind gleich mehrere amerikanische Interessenten mit am Ball." Die Fachleute erwarten aber nicht, dass die Ausstellung die Preise hoch treibt, weil nur extrem wenige Gemälde und auch nur relativ wenige Zeichnungen auf dem Markt vorkommen.

Seit 1987 verzeichnet Artprice nur 29 Gemälde, 140 Zeichnungen und 25 Lithographien. Der Handzeichnungs- Händler Bruno de Bayser erzählt, dass er innerhalb seiner 40-jährigen Tätigkeit nur etwa 20 Ingres-Zeichnungen verkauft hat. Porträts sind die gesuchtesten Sujets und kosten zwischen 150.000 und 1 Million Euro. Bayser hat das für die Louvre-Ausstellung erworbene Porträt des Charles Marcotte d'Argenteuil für 980.000 Euro verkauft.

Bei den versteigerten Gemälden handelt es sich um weniger begehrte Sujets. Die Darstellung der gekrönten Maria (La Vièrge couronnée, dite Vièrge Underwood, 1859) hatte 2004 bei Sotheby's 926.400 Dollar eingefahren und wird nun dem Louvre von einem US-Privatsammler geliehen. Unter den versteigerten Repliken, (d.h. Gemälde von Ingres' Hand, aber in einem anderen Format als das Original), befindet sich eine (winzige) Version der Grande Odalisque (1814). Ingres malte die nur 8,5 x 13 cm große Replik für einen Freund im Jahre 1829. Sotheby's schlug sie am 6.6.2001 in London für 355.500 Pfund zu.

Die teuersten Gemälde, die auf Auktionen vorkamen, waren Jupiter et Thétis, von Christie's Monaco 1989 für 2,4 Millionen Dollar versteigert; eine der Versionen von Raphael et la Fornarina (Sotheby's, New York, 1989, 1,4 Millionen Dollar). Offensichtlich handelt es sich bei beiden Gemälden um Repliken. Dementsprechend sind die Preise zu relativieren. Der im Jänner des Jahres für ein herausragendes Gemälde bezahlte Preis ist hoch, laut Experten gerechtfertigt. Die Versicherungsgesellschaft AXA legte als Mäzen 11 Millionen Euro auf den Tisch eines Privaten, um das Porträt des Herzogs von Orléans für den Louvre zu erwerben. "Das bemerkenswerte Porträt war 1990 für 13 Millionen Dollar angeboten worden", erfährt man aus dem Louvre, und Experte Turquin bestätigt, dass er selbst das Gemälde in die USA verkaufen wollte, was jedoch ein Ausfuhrverbot verhindert hat. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2006)

Von
Olga Grimm-Weissert
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