Fürstliche Morgengaben

7. März 2006, 12:15
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Jubiläum der Schmuckdynastie Van Cleef & Arpels: Angebotsschwerpunkte in Auktionen und auf Messen

Das aktuelle Kunstmarkt-Jahr ist um ein hochkarätiges Jubiläum reicher: Vor 100 Jahren feierte die Van-Cleef-&-Arpels-Dynastie ihre Geburtsstunde. Entsprechende Angebotsschwerpunkte finden sich in Auktionen und auf Messen.


Den Anfang machte die Liebe. 1896 führte Alfred Van Cleef seine Braut Estelle Arpels zum Traualtar. Zehn Jahre später legten der Sohn eines Diamantenschleifers und die Tochter eines Edelsteinhändlers den Grundstein für das spätere Imperium: 1906 eröffnete das erste Juweliergeschäft unter den Arkaden des Pariser Place Vendome, dem später Niederlassungen in Deauville, Cannes, Monte Carlo, London, Genf, New York und Palm Beach folgten.

Von den renommiertesten Adressen für Luxusgüter aus begann Van Cleef & Arpels' (VCA) Siegeszug in der Welt der Haute Joaillerie – auch dokumentiert durch die High Society: Maria Callas schmückte sich mit den fein gearbeiteten Schöpfungen ebenso wie Grace Kelly, der Fürst Rainier ein Diamant-Perlen-Collier aus dem Hause Van Cleef & Arpels zur Verlobung schenkte. Ebenso von Van Cleef & Arpels angezogen fühlte sich die für ihren exquisiten Schmuckgeschmack legendäre Mode-Ikone Daisy Fellowes.

Im November letzten Jahres versteigerte Sotheby's ein von Van Cleef & Arpels für die Erbin des Singer- Nähmaschinen-Vermögens ausgeführtes Armband. Statt der erwarteten 800.000 CHF deponierte ein amerikanischer Privatier in Genf gigantische 3,38 Millionen CHF, umgerechnet 2,11 Mio. Euro.

Je bekannter der Träger bzw. Auftraggeber der exklusiven Schmuckstücke, desto größer das Engagement der Bieter, weiß auch Daniela Mascetti, Chefin des Londoner Schmuck-Departments von Sotheby's. 1987 versteigerte sie in Genf den aus Diamanten und Saphiren gearbeiteten Brautschmuck der Herzogin von Windsor (1,54 Millionen CHF) – mit der legendären unsichtbaren Fassung der Edelsteine, ein Patent, das Van Cleef & Arpels 1935 von Cartier übernahm.

Frederik Schwarz, Senior Jewellery Specialist von Christie's, nennt als vergleichbares Beispiel die 1998 in New York versteigerte Brosche aus dem Besitz von Eva Perón. Die Expertenerwartungen für das als Nationalflagge Argentiniens designte Schmuckstück lagen bei 50.000 Dollar – der Hammer fiel erst bei knapp einer Million Dollar zugunsten eines Bieters aus Argentinien. Liebhaber von VCA-Juwelen wissen das von jeher hohe Qualitätsniveau zu schätzen. Und dennoch sind Exemplare der Haute Joaillerie nicht vor Vandalismus gefeit, und immer wieder entpuppen sich Goldschmiede und Juweliere als Barbaren. Vererbte Colliers werden schon einmal geteilt und zu Armbändern verarbeitet, ein besonders schöner Diamant aus einer Brosche entnommen und diese um einen "minderwertigeren" Stein ergänzt. Selbst wenn solche Objekte ursprünglich von Van Cleef & Arpels ausgeführt wurden, gelangen sie nicht mehr zur Auktion.

Besonders gefragt sind Entwürfe aus der Zeit des Art déco. Im Juni vergangenen Jahres gelangte bei Christie's in Rom eine Lavaliere – jener Colliertyp der Nicole Kidmans Rücken in der Chanel- Werbung ziert – von 1928 zur Auktion. Ein amerikanischer Interessent hatte das Stück bei einer Schaustellung in Genf entdeckt und trieb den Preis weit über den reinen Materialwert von 130.000 Euro auf rund 636.000.

Abseits der regulären Juwelenauktionen auf dem internationalen Kunstmarkt, in denen VCA-Juwelen zum Standardangebot gehören, veranstaltet Christie's zwei Sonderauktionen (New York: 11. Oktober, Genf: 14. November). In Österreich hat man im Rahmen der Residenz- Messe für Kunst und Antiquitäten (8.–17. April) die nächste Gelegenheit, wenn die Salzburger Spezialistin Maria Pinter einen Art-déco- Platin-Kleiderclip (16.800 Euro) und einen Brillantring (12.000) im Angebot hält. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2006)

Von
Olga Kronsteiner

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vancleef.com

  • Dieses Armband zierte das Handgelenk von Daisy Fellowes und wechselte bei Sotheby's in Genf für 3,38 Mio. CHF den Besitzer.
    foto: sotheby's

    Dieses Armband zierte das Handgelenk von Daisy Fellowes und wechselte bei Sotheby's in Genf für 3,38 Mio. CHF den Besitzer.

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