FMA plant Gewinnbeteiligungs-Verordnung für Lebensversicherungen

6. März 2006, 14:27
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Finanzaufsicht will für Versicherungsnehmer nachvollziehbare und klare Regelung: "Gewinnbeteiligung zuletzt oft unerklärlich stark gesunken

Wien - Die heimische Finanzmarktaufsicht (FMA) will mit einer Gewinnbeteiligungs-Verordnung für mehr Klarheit und Transparenz bei den Überschuss-Beteiligungen in der Lebensversicherung sorgen. Diese in der Behörde angedachte Verordnung, die frühestens ab Anfang 2007 gelten könnte, soll nachvollziehbare Kriterien für die Berechnung aufstellen und auch die Versicherungsunternehmen dazu verpflichten, Änderungen der Gewinnpläne ihren Kunden mitzuteilen. Wegen dieser FMA-Überlegungen haben Assekuranz-Spitzenvertreter am Mittwoch mit der Verlagerung von Aktivitäten ins Ausland gedroht.

Die Gewinnbeteiligung bei Lebensversicherungspolizzen resultiert aus den Überschüssen, die das Unternehmen erwirtschaftet. Gesetzlich normiert ist derzeit nur, das die Gewinnbeteiligung "angemessen" sein muss; allerdings stammt diese schwammige Regelung aus einer Zeit, als die Versicherungsaufsicht noch streng war und die Geschäftspläne extra genehmigt werden mussten. Bisher wurden zumindest 85 Prozent der Überschüsse als Gewinnbeteiligung an die Kunden weitergegeben.

"Allerdings mussten wir in jüngster Zeit beobachten, dass die Gewinnbeteiligung auch immer wieder in einem Ausmaß gesunken ist, das durch die Entwicklung an den Kapitalmärkten allein nicht zu erklären ist", sagte FMA-Mediensprecher Klaus Grubelnik am Mittwoch zur APA.

Klar definierte Kriterien

Künftig solle hier nach klar definierten Kriterien vorgegangen werden, daher erwäge die FMA eine Gewinnbeteiligungsverordnung. Versicherungsnehmer sollten künftig transparent nachvollziehen können, wie viel ihnen zusteht. Auch sollten sie von Änderungen der Gewinnbeteiligung erfahren. In die unternehmerische Freiheit der Assekuranz wolle man damit jedoch nicht eingreifen, so der Sprecher.

Hintergrund der aktuellen Aufregung in der Versicherungswirtschaft ist offenbar eine Kurzpunktation, die die Finanzmarktaufsichtsbehörde der Assekuranz übermittelt haben soll. Diese kurze Papier sollte den Versicherungsvertretern zur Vorbereitung auf ein Gespräch dienen, zu dem sie von der FMA eingeladen wurden, heißt es in Finanzkreisen.

Versicherungen drohen mit Abwanderung

Am Mittwoch hatten die heimischen Versicherer damit gedroht, bestimmte Aktivitäten ins Ausland zu transferieren, wenn sich für sie der rechtliche Rahmen im Inland zu stark verschlechtern sollte. So könnte die Produktion der Polizzen zum Beispiel nach Osteuropa verlegt werden, sollte in dieser Sparte durch stichtagsbezogene Regelungen der langfristige Risikoausgleich wegfallen, warnten Spitzenvertreter der Branche am Mittwochvormittag vor Journalisten.

"Der Standort der Produktion könnte von der Betreuungsorganisation getrennt werden", sagte Verbandspräsident UNIQA-Chef Konstantin Klien. "Wir könnten auch vom Osten aus den Österreichern gute Produkte machen. Der Risikoträger liegt dann eben 50 oder 150 Kilometer von Österreich entfernt", so Wiener-Städtische-General Günter Geyer. Anders als bei Pensionskassen sei für die Versicherer der "Risikoausgleich über die Zeitachse" notwendig, betonte Allianz-Chef Wolfram Littich in dem Pressegespräch: Es sei besser zu glätten als das in einem Jahr verdiente gleich auszuschütten. (APA)

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