Wichtige Rolle für Grazer Institut im "Saxier"-Projekt

8. März 2006, 12:55
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Das Ziel: Einzelne Nanopartikel direkt während ihrer Reaktion mit der Umgebung wie in einem Film zu beobachten

Graz - Im Rahmen des Ende 2005 gestarteten EU-Forschungsprojektes "Saxier" wird das Grazer Institut für Biophysik und Röntgenstrukturforschung (IBR) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) eine entscheidende Rolle spielen: Das Institut übernimmt die Verantwortung für die Bereiche der Mikrofluidik - das Arbeiten mit kleinsten Flüssigkeitsströmen - und der Gasphasen-Streuung (GP-Saxs). So wird es zusammen mit fünf europäischen Instituten neue Methoden auf dem Gebiet der Nanotechnologie erschließen.

Zentraler Ansatzpunkt des vierjährigen EU-Forschungsprojekts "Saxier" ist "Saxs": "Small-Angle X-Ray Scattering" (Kleinwinkel-Röntgenstrahlstreuung), eine Methode zur Vermessung feinster Strukturen in Materialien bis zur Millionstel Millimeter-Größe, dem Nanometer. Das Ziel des Projekts mit einem Gesamtbudget von 7,2 Mio. Euro - das die EU mit 3,6 Mio. Euro unterstützt - ist es, einzelne Nanopartikel direkt während ihrer Reaktion mit der Umgebung wie in einem Film beobachten zu können. Dazu benötigt man die stärksten "Röntgenlampen", die es gibt: Synchrotronlichtquellen. Weltweit existieren derzeit rund 65 solcher Anlagen. Im Karst nahe Triest hat das IBR mit "Elettra" eine solche Station eingerichtet.

Team verstärkt

In der für Forschungszwecke und als Serviceeinrichtung genutzten Institution sollen die Grazer Wissenschaftler nun im Rahmen des Projekts in den Bereichen der Mikrofluidik und der Gasphasen-Streuung (GP-Saxs) tätig sein. Dafür wird das Team um fünf Forscher auf 38 aufgestockt. Dementsprechend ausgebildete österreichische Wissenschaftler konnten dafür bisher nicht gefunden werden, so der Grazer Institutsleiter Peter Laggner.

Auf dem Feld der Mikrofluidik soll die Zeitauflösung bei der Betrachtung von Nanopartikeln erstmals in den Mikrosekundenbereich ausgedehnt werden. Gleichzeitig soll eine kontrollierte Bewegung der Partikel durch "optische Pinzetten" ermöglicht werden. In der Zukunft könnten so neue Materialien entwickelt werden, z. B. Katalysatoren oder Wirkstoffträger in der Pharmazie.

Zur Aufklärung von Bildungsmechanismen von Nanopartikeln dient die Gasphasen-Streuung (GP-Saxs). Ein Großteil der industriellen Nanomaterialien wird heute bereits durch Gasphasensynthese hergestellt. Für die Größenoptimierung der Teilchen muss aber noch immer auf empirische Erfahrung zurückgegriffen werden - GP-Saxs soll hier die wissenschaftliche Basis stärken. (APA)

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