Knapp ein Drittel der Guantanamo-Häftlinge soll ausgeliefert werden

5. März 2006, 15:31
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Deutscher soll aus Gefangenenlager freikommen

Guantanamo - Die US-Armee will "rund ein Drittel" der Häftlinge im umstrittenen Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba in seine Heimatländer ausliefern. 119 Gefangene bräuchten nicht in dem Lager festgehalten werden und sollten in den Ländern inhaftiert werden, deren Staatsbürgerschaft sie hätten, sagte Kapitän Tom Quinn am Dienstag auf dem US-Militärstützpunkt. Weitere 14 Häftlinge würden unverzüglich freikommen, weil sie keine Gefahr mehr für die Vereinigten Staaten seien. Wie die "Leipziger Volkszeitung" berichtete, wollen die USA "in Kürze" auch den in Guantanamo gefangenen Bremer Murat Kurnaz freilassen.

"Etwa ein Drittel der derzeitigen Haftbevölkerung wird Guantanamo Bay demnächst verlassen", sagte Quinn. Die Gefangenen sollten freikommen, sobald die US-Regierung sich mit den Auslieferungsländern abgesprochen habe. Washington wolle eine Sicherheitsgarantie und Angaben darüber, wie die Häftlinge nach der Auslieferung behandelt würden. Die US-Regierung hatte im vergangenen Jahr einen Verwaltungsrat aus drei ranghohen Militärs eingesetzt, um die Haftgrundlage der Gefangenen zu beurteilen.

Die USA stehen wegen des Gefangenenlagers - nicht nur bei Menschenrechtsgruppen - immer mehr in der Kritik. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vor ihrem Besuch in Washingon im Jänner gesagt, "eine Institution wie Guantanamo kann und darf auf Dauer so nicht existieren".

Die US-Armee hält auf dem Militärstützpunkt seit mehr als vier Jahren rund fünfhundert Menschen fest, die den radikalislamischen Taliban oder der Terrororganisation Al Kaida angehören sollen. Nur gegen zehn Gefangene wurde Anklage erhoben; alle anderen sitzen ohne Rechtsbeistand oder Verfahren in dem Lager ein. Die Häftlinge stammen aus rund dreißig verschiedenen Ländern und waren nach dem US-geführten Einmarsch in Afghanistan im Winter 2001 festgenommen worden, vor allem in Afghanistan und dem benachbarten Pakistan. (APA)

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