Schon vor Jahren bewiesen: Katzen über Vögel infizierbar

1. März 2006, 19:07
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Gefahr einer Influenza-Pandemie ist noch nicht gegeben

Wien - Eine tote deutsche Katze macht noch keine Epidemie-Gefahr. Doch der Fall in Deutschland zeigt, dass der "Sicherheitsabstand" zwischen H5N1 und dem Menschen dünn ist. Experimentell wurde das Infektionsrisiko von Katzen durch das Geflügelpest-Virus erstmals bereits vor Jahren von dem in Fachkreisen weltbekannten Veterinär-Virologen Univ.-Prof. Dr. Albert Osterhaus (Erasmus Medical Center/Rotterdam) und seinem Team nachgewiesen.

"Wir gingen von Ereignissen in asiatischen Tiergärten aus. Dort wurden Tiger mit Hühner-Resten gefüttert. Die Wildkatzen starben an H5N1-Infektionen, auch noch, nachdem man die Hühner aus dem Futter verbannt hatte", berichtete Osterhaus vor kurzem bei einer Influenza-Pandemie-Tagung in London.

In den Niederlanden infizierten daraufhin Wissenschafter aus dem Team des Experten einen Tag alte Küken mit H5N1. Einen Tag später wurden sie getötet und an Hauskatzen verfüttert. Osterhaus: "Alle Katzen wurden krank. Wir haben unter diese Katzen gesunde gesetzt - auch sie wurden krank. Würden wir das beim Menschen beobachten, hätten wir ein echtes Problem."

Doch dem ist eben nicht so. Trotzdem ist das Übertragungsrisiko von H5N1 auf die liebsten Haustiere des Menschen bemerkenswert. Allerdings nicht, weil eine größere Gefahr für Menschen durch die sporadische Infektion einer Katze entstehen würde - niemand isst Katzenfleisch, der Kontakt mit Exkrementen ist auch nicht gegeben -, sondern weil damit ein neues Glied in der Übertragungskette für die Vogelinfluenza-Viren bekannt ist.

So schrieb Osterhaus im Oktober 2004 in der US-Wissenschaftszeitschrift "Science": "Aus unseren Ergebnissen resultiert zunächst, dass bei H5N1-Ausbrüchen (unter Wildvögeln bzw. Geflügel, Anm.) Hauskatzen durch die Krankheit in Gefahr kommen und umkommen könnten: Entweder, indem sie infiziertes Geflügel oder Wildvögel fressen oder durch Kontakt mit infizierten Katzen. Zweitens sollte die Rolle von Katzen bei der Verbreitung von H5N1 zwischen Geflügelfarmen und von Geflügel auf den Menschen neu bestimmt werden. Und drittens könnten Katzen (so wie auch Schweine, Anm.) dem Vogelvirus eine Möglichkeit bieten, sich an Säugetiere zu adaptieren. Dadurch könnte sich die Gefahr einer Influenza-Pandemie erhöhen." (APA)

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