Produkte produzieren sich selbst - Mini-Computer machen es möglich

8. März 2006, 12:54
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Forschungsprojekt der Linzer Universität

Produkte werden nicht mehr erzeugt, sie produzieren sich selbst. Möglich wird die Innovation durch Mini-Computer, die einfach an den Produkten befestigt werden. Das Forschungsprojekt der Linzer Johannes Kepler Universität wurde in der jüngsten Ausgabe der von ihr herausgegebenen "Univationen" vorgestellt.

"Post-it"

Die Ansteckcomputer sollen so einfach wie "Post-it"-Zettel angebracht werden. Die damit befassten Forscher vom Institut für Pervasive Computing bezeichnen sie deshalb als "Peer-it". Sie bestehen aus drei Komponenten: Sensoren, die wahrnehmen, wo sich der "Träger" befindet, eine Schnittstelle zur Umwelt, über die sich externe Geräte steuern lassen und eine Kommunikation im unmittelbaren Nahbereich des Aufenthaltsortes des Ansteckcomputers.

Die Peer-its sind selbstständige Knoten in einem Rechnernetzwerk, das sich aus beliebig vielen Bestandteilen zusammensetzen kann und dessen Funktionsumfang nicht im Voraus festgelegt ist. Sie kommunizieren im Nahbereich drahtlos miteinander und nur dann, wenn ihre individuellen Arbeitspläne dies erfordern. Dazu tauschen sie Selbstdarstellungen über ihre Funktion, Fähigkeiten, Absichten und Ziele in Form von Profilen und auch Softwarekomponenten aus. Sie legen ihren Funktionsumfang ständig je nach Bedarf neu fest.

Auftrag von Siemens

Universitätsprofessor Alois Ferscha vom Institut für Pervasive Computing berichtet, sein Institut habe im Auftrag von Siemens einen voll funktionsfähigen Prototypen für den Bereich industrieller Fertigungsprozesse entwickelt, für den schon weltweite Nachfrage bestehe. Im Labor wurde ein Produktionsszenario mit einer Modell-Eisenbahn, Modellautos und zwei Stationen an "Produktionsständen" aufgebaut. Sobald ein Auto, das im Szenario für ein zu produzierendes Produkt steht, auf einen Transportwaggon gesetzt wird, gibt der Peer-it des Autos an den Peer-it der Eisenbahn den Befehl, zu einem bestimmten Produktionsstand zu fahren. Dort geht vom Auto der Befehl an den Produktionsstand, einen bestimmten Produktionsprozess am Auto durchzuführen. Der Peer-it der Station gibt nach beendeter Arbeit der Eisenbahn wieder die Anweisung, weiterzufahren usw., so lange, bis der vom Produkt selbst verwaltete Produktionsplan vollständig abgearbeitet ist.

Ferscha sieht Anwendungsmöglichkeiten nicht nur im Produktionsbereich sondern überall, wo es um Kommunikation im Nahbereich und Aufgabenerfüllung in Selbstorganisation geht. So könnten in Spitälern Ansteckcomputer an den Patienten anstelle von Patientenakten die Ärzte über Therapien und Krankheitsverläufe informieren.(APA)

Link

a href="http://www.uni-linz.ac.at/" target="_blanK">Johannes Kepler Universität

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