Systematische Folter in der Türkei

6. März 2006, 13:50
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Menschenrechtsverein IHD legte Jahresbilanz 2005 vor: 39 Frauen wurden im Vorjahr Opfer von Ehrenmorden

Istanbul - In der Türkei wird nach Einschätzung einer angesehenen Menschenrechtsorganisation immer noch systematisch gefoltert. Im vergangenen Jahr seien 825 Fälle von Folter und Misshandlung gemeldet worden, teilte der Menschenrechtsverein IHD am Mittwoch mit. 2004 hatte diese Zahl bei 843 gelegen. Das zeige, dass es sich nicht um Einzelfälle handle; vielmehr würden die Sicherheitsbehörden Menschen nach der Festnahme "systematisch" foltern und misshandeln.

Kaum Strafen

Folterer hätten in der Türkei nach wie vor nur selten Strafen zu befürchten, erklärten die MenschenrechtlerInnen: In 52 Verfahren wegen Folter und Misshandlung seien nur sechs Angeklagte verurteilt worden.

Ohne Meinungsfreiheit

Das Jahr 2005 sei ein verlorenes Jahr gewesen, was die Ausweitung der Freiheitsrechte angehe, folgerte der IHD. Zum ersten Mal seit 1999 habe es im vergangenen Jahr sogar Rückschritte auf diesem Gebiet gegeben. So hätten sich 192 Menschen wegen Meinungsäußerungen vor Gericht verantworten müssen. Auch die Gewalt gegen Frauen sei in der Türkei ungebrochen: Im vergangenen Jahr seien 39 Frauen bei so genannten "Ehrenverbrechen" ums Leben gekommen. Es sei eine der dringendsten Aufgaben des EU-Bewerberlandes Türkei, seine Menschenrechtslage zu verbessern. (APA/AFP)

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