Semperit übertrifft Erwartungen

13. März 2006, 13:12
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Um 19 Prozent auf 36,7 Millionen Euro - Erwartungen der Analysten bei Umsatz und Ergebnis übertroffen - zwei neue Fabriken in China

Wien - Die börsenotierte Industriegruppe Semperit AG Holding hat 2005 ihre Ergebnisse weiter verbessert. Bei einem um 7,9 Prozent auf 515 (477,4) Mio. Euro erhöhten Konzernumsatz stieg das (vorläufige) Ergebnis vor Steuern (EGT) um 3,0 Prozent auf 53,6 (52,0) Mio. Euro. Das Konzernergebnis kletterte um 19,2 Prozent auf 36,7 (30,8) Mio. Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Mit diesen Ergebnissen wurden die Einschätzungen der Analysten für den Hersteller von Kunststoff- und Kautschukprodukten übertroffen. Die Experten der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), Erste Bank und Raiffeisen Centrobank (RCB) hatten im Schnitt einen Umsatzanstieg um 5,32 Prozent auf 502,8 Mio. Euro erwartet. Für den Nettogewinn ermittelte die Konsensusprognose eine Verbesserung um 8,77 Prozent auf 33,5 Mio. Euro.

16. Rekordergebnis in Folge im Visier

Die Industriegruppe der börsenotierten Semperit AG Holding hat 2005 an ihre bisher 14 Rekordjahre noch eines drangehängt. "Wir haben die 15. Goldmedaille en suite geholt - und das alles ohne Doping", verkündete Vorstandschef Rainer Zellner am Mittwoch. Unter dem Strich verbesserte der Gummikonzern sein Jahresergebnis nach vorläufigen Zahlen um 19,2 Prozent auf 36,7 Mio. Euro. Auch der Umsatz erreichte einen neuen Höchstwert. An der Wiener Börse notierte die Semperit-Aktie am späten Vormittag mit 23,60 Euro um 1,5 Prozent fester.

2006 wird ein erneutes Umsatz- und Gewinnplus angepeilt: "Wir sind zuversichtlich, im im nächsten Jahr das 16. Rekordergebnis präsentieren zu können", sagte Zellner heute vor Journalisten in Wien. Neben weiteren Investitionen in den Ausbau des Geschäfts in China, Indien und Thailand will der Semperit-Chef heuer auch eine größere Akquisition angehen. In der Kriegskasse habe man dafür "genügend Geld".

Höhere Gewinnausschüttung

Für das abgelaufene Jahr stellte Zellner eine höhere Gewinnausschüttung in Aussicht. "Der Vorstand wird der Hauptversammlung eine Erhöhung der Dividende vorschlagen." Offen ist das Ausmaß. Für 2004 war die Dividende um fast ein Drittel von 54 auf 70 Cent pro Aktie angehoben worden.

Den Vorsteuergewinn (EGT) steigerte die Gruppe, die Spezialhandschuhe, Formartikel, Förderbänder und Hochleistungsschläuche fertigt, im vergangenen Jahr um 3,0 Prozent auf 53,6 Mio. Euro. Hier fiel der Zuwachs im Vergleich zu den Jahren davor dünner aus.

Zur Begründung verwies Zellner neben negativen Währungseinflüssen (durch Dollar, chinesischen Renmimbi und thailändischen Baht) auf "dramatische Veränderungen im Rohstoffgefüge". Bei Kautschuk, Latex und Rohstoffen auf Erdölbasis seien die Preise im Vorjahr um 50 bis 100 Prozent gestiegen. Einen großen Teil davon habe Semperit aber durch weitere Kostensenkungen und Produktivitätsgewinne abfedern können.

Umsatzplus

Beim Umsatz konnte 2005 ein Plus von 7,9 Prozent auf 515,0 Mio. Euro eingefahren werden. Davon seien 96 Prozent im Ausland generiert worden. Laut Zellner stiegen die Erlöse in der Handschuh-Sparte (Sempermed) um 5 Prozent auf 185 bis 190 Mio. Euro, im Schlauch-Geschäft (Semperflex) um 8 Prozent auf 140 Mio. Euro, im Bereich Formartikel (Semperform) um 4 Prozent auf 96 Millionen und bei Transportbändern (Sempertrans) um 12 Prozent auf 94 Mio. Euro.

Zufrieden zeigte sich Zellner vor allem mit dem Geschäftsverlauf an den Standorten in Thailand, China, Indien und Polen. Und auch das Stammwerk im niederösterreichischen Wimpassing mache "nachhaltig Gewinn", wie er betonte.

Nach wie vor "unbefriedigend" sei hingegen die Situation der Förderband-Fabrik in Frankreich, deren Ergebnisse sich weiter um die Null-Linie bewegten. "Wir investieren viel Zeit und Management-Ressourcen, um hier Boden zu gewinnen", sagte Zellner. Im dritten Quartal sollen weitere Schritte diskutiert werden. Vom Ausbau bis hin zu einer Verlagerung oder einem Zusperren des Betriebs (150 bis 160 Beschäftigte) sei alles möglich.

Mehrheitseigentümer der Semperit AG Holding, die in der Gruppe zuletzt knapp 6.200 Mitarbeiter (davon 900 bis 1.000 in Österreich) beschäftigte, ist die B & C Holding. Zellner sprach heute von einer stabilen Aktionärsstruktur: "Wir sind mit unserem Hauptaktionär in höchstem Maß zufrieden und hoffen, dass es keine Veränderung gibt." Die B & C Holding ist eine Tochter der B & C Privatstiftung, die der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) nahe steht.

Zwei neue Fabriken in China

Die Industriegruppe will 2006 ihre Investitionen aufstocken. Für den Ausbau seines globalen Geschäfts hat der Gummikonzern im Vorjahr 40 bis 45 Mio. Euro in die Hand genommen. "Heuer werden es mehr sein", sagte Generaldirektor Rainer Zellner heute, Mittwoch, bei der Präsentation der vorläufigen Bilanz für 2005. Zum Cash-Flow hieß es, er sei im vergangenen Jahr auf rund 80 Mio. Euro gestiegen.

Wie bisher will Zellner seine "Politik der rigorosen Internationalisierung" weiter verfolgen, um das Unternehmen auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu halten. Semperit produziert vor allem in asiatischen Billiglohnländern (China, Thailand, Indien), aber auch in Osteuropa (Polen, Tschechien).

Ausbau der Handschuh-Fertigung in Thailand

Konkrete Ausbaupläne hat der börsenotierte Konzern für die Handschuh-Fertigung in Thailand und China. Semperit fertigt jährlich 10 Milliarden Stück Spezialhandschuhe (vor allem für den medizinischen Bereich) und zählt mit diesem Volumen laut Zellner zu den größten der Branche.

In China hat Semperit derzeit zwei Fabriken im Großraum Shanghai. Künftig sollen dort zwei dazu kommen, kündigte Zellner an. Noch heuer wird eine größere Schlauch-Fabrik ihre Pforten öffnen. Auf die grüne Wiese stellen will Zellner auch ein Werk für technische Spezialprodukte.

Geld soll auch in die Verdoppelung der Kapazitäten der Förderband-Fabrik in Indien fließen. Ebenfalls ausgebaut werden soll das polnische Werk für Transportbänder, das bereits an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen ist. In der tschechischen Schlauch-Fabrik wurde eine weitere Aufstockung der Produktionslinien in Angriff genommen. (APA)

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