Mini-Stromehe: "Rösl" folgt "Ösl"

3. März 2006, 22:51
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Am Freitag soll wirtschaftsnahe Rest-Stromlösung stehen

Wien - "Eine modifizierte Ösl ist nach derzeitigem Landtagsbeschluss nicht möglich", begründete Leo Windtner, Chef der Energie AG Oberösterreich (EAG) Mittwochabend den Ausstieg der EAG aus der EnergieAllianz (EA), der gemeinsamen Vertriebstochter von EAG, Wienstrom, EVN, Bewag und Verbund.

"Hätte die Ösl gut funktioniert, wären wir dabei geblieben." Aber: Die von der EVN dominierte Großkundengesellschaft sei als defensives Bündnis angelegt, das keinerlei Expansionsstrategien verfolgt haben. "Wir mussten alle Auslandspläne zu den Akten legen und Beteiligungen abgeben, aber die EVN hat im Alleingang Ausritte gemacht, sagte Windtner in Anspielung auf den Kauf von ERP Plovdiv und ERP Stara Zagora. Man habe die Leine jetzt ziehen müssen, weil Ende März die erste und letzte Möglichkeit zur Kündigung dieses Bündnisses sei.

Zu einer neuen Ösl wollte Windtner nichts sagen. Hochrangige Strommanager wollen indes wissen, dass emsig an einer "Rest-Ösl" (Rösl) gebastelt werde. Diese soll "wirtschaftsnah" konstruiert sein und Wettbewerb ermöglichen. Sicher sei, sagt ein anderer Ösl-Partner, dass Linz AG und EAG nicht dabei seien, wohl aber Wien, Niederösterreich, das Burgenland und die Verbundgesellschaft. Im Prinzip sei alles ausverhandelt, eine Punktation oder gar ein Vertrag sei aber noch nicht unterzeichnet. Es könnte aber bereits morgen, Freitag, so weit sein, dass zumindest die Eckpunkte der "Rösl" schriftlich fixiert werden.

Der Verbund bestätigte am Mittwoch STANDARD-Informationen, wonach er mit der EAG über den Erwerb einer Beteiligung von 25 Prozent plus einer Aktie verhandle. Dieser Anteil soll mindestens 470 Mio. Euro wert sein, das entspreche zumindest den seinerzeit von der Energieallianz bezahlten für die EAG-Sperrminorität bezahlten sechs Milliarden Schilling. Ein Verbund-Sprecher wollte dies freilich nicht kommentieren. EAG-Windtner bestätigte dem STANDARD, dass es eine Möglichkeit sei, dass der Verbund EA-Anteile übernehme. Der Zug fahre in diese Richtung, ob er zu 100 Prozent auch dort ankomme, sei aber noch nicht sicher.

Auf die Frage, ob die EAG die Zusammenarbeit mit den Linzer Stadtwerken intensivieren wolle, sagte Windtner: "An eine Intensivierung der Partnerschaft wird seit vielen Jahren gedacht", weil das sinnvoll sei. Das sei aber nicht automatisch eine Kapitalverschränkung oder Fusion. Ob die Linz AG aus der EA aussteigt bzw. ihren 6,25-Prozent-Anteil zurücknehmen will, ist noch offen. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.3.2006)

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