USA schließen Bürgerkrieg nicht mehr aus

3. März 2006, 12:03
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Anschlagserie in Bagdad reißt nicht ab: Mehr als zwanzig Tote - Keine neuen Hinweise zu deutschen Geiseln

Bagdad/Berlin - Die Serie blutiger Anschläge in Bagdad nach dem Bombenangriff auf die Goldene Moschee der Schiiten in Samarra vor einer Woche reißt nicht ab. Bei zwei Autobombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt wurden mehr als 20 Menschen getötet.

Die Explosion eines Sprengsatzes auf einem Flohmarkt kostete zwei - nach anderen Angaben drei - Passanten das Leben. Der Anschlag galt offenbar einer Polizeipatrouille. Die Bombe war unter einem Auto versteckt. Zwischen zehn und 15 Personen wurden dabei verletzt.

Autobombe in Schiitenviertel

Ein weiterer Autobombenanschlag in der Nähe eines Polizei-Kontrollpunktes im hauptsächlich von Schiiten bewohnten Viertel Al-Jadida im Südosten Bagdads kostete mindestens 20 Personen das Leben. Die Zahl der Verwundeten belief sich auf mindestens 30, wie das Innenministerium mitteilte.

Im südlichen Stadtteil Kadisiya schlug eine Mörsergranate in ein Wohnhaus ein. Ein Bewohner starb, vier weitere erlitten Verletzungen. Auch im Vorort Mahmudiya schlugen nach Polizeiangaben drei Mörsergranaten in Häuser ein. Drei Zivilpersonen wurden demzufolge getötet. Bei der Explosion eines Sprengsatzes im Zentrum von Bagdad seien drei Passanten getötet und 14 verletzt worden, teilte ein Polizeisprecher mit. Am Dienstag waren bei zahlreichen Anschlägen in Bagdad mehr als 60 Menschen ums Leben gekommen.

Bürgerkrieg nicht ausgeschlossen

Die USA schließen bei einer weiteren Gewalteskalation im Irak einen Bürgerkrieg nicht mehr aus, der zu einem noch größeren Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten im Nahen Osten führen könnte. Das sagte der Nationale Geheimdienstkoordinator und früherer US-Botschafter in Bagdad, John Negroponte, am Dienstag in einem Washingtoner Senatsausschuss. Präsident George W. Bush sagte, die Iraker stünden vor der "Wahl zwischen Chaos und Einheit". Der Chef des US-Militärgeheimdienstes DIA, Generalleutnant Michael Maples, erklärte, die Gewalt gehe von einem harten Kern militanter Sunniten aus, die "soziale, wirtschaftliche, geschichtliche und religiöse Missstände" für ihre Zwecke ausnutzen könnten.

Ein Sprecher einer einflussreichen Vereinigung sunnitischer Gelehrter im Irak, Abdel Salam al-Kubaissi, wies am Mittwoch eine Schuld der Sunniten an der eskalierenden Gewalt zurück. Er warf im Gegenteil schiitischen Politikern vor, die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten zu schüren. Der irakischen Regierung warf er vor, sie sei unfähig, etwas gegen die Gewalt auszurichten.

Zum Schicksal der beiden am 24. Jänner entführten deutschen Ingenieure im Irak gibt es keine neuen Informationen. Wie der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, Martin Jäger, sagte, setzt "der Krisenstab seine Anstrengungen unvermindert intensiv fort", die beiden frei zu bekommen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier stehe in Kontakt mit den Familien der Ingenieure in Leipzig und habe sie nach Berlin eingeladen. Bereits in drei Videobotschaften forderten die Entführer die deutsche Regierung zum Abbruch der Beziehungen mit dem Irak auf und drohten damit, ihre Geiseln andernfalls zu ermorden. (APA/AP/dpa/Reuters)

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    Verwandte bringen einen Verletzten in ein Spital in Bagdad

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