Bush: Wir werden Osama bin Laden und Mullah Omar fangen

9. März 2006, 14:24
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US-Präsident zu Überraschungsbesuch in Kabul - Fünfstündige Visite vor Weiterreise nach Indien und Pakistan - Pressehubschrauber eröffnet Feuer

Kabul - Viereinhalb Jahre nach den Anschlägen von New York und Washington ist US-Präsident George W. Bush weiter zuversichtlich, dass Al-Kaida-Chef Osama bin Laden noch gefasst wird. Mit Blick auf Bin Laden und den Taliban-Anführer Mullah Omar sagte Bush am Mittwoch bei einem unangekündigten Besuch in Kabul: "Es ist nicht die Frage ob, sondern wann sie vor den Richter gebracht werden." Auf der einen Seite der Grenze suchten amerikanische und afghanische, auf der anderen Seite pakistanische Soldaten nach den Untergetauchten.

Bush traf am Mittwoch zu einem Überraschungsbesuch in Afghanistan ein. "Willkommen, Präsident, in Afghanistan", sagte der afghanische Präsident Hamid Karzai vor seinem Amtssitz in Kabul, seinen Amtskollegen auf dem roten Teppich begrüßte.

Amerika sei froh, Anteil an der Zukunft Afghanistans zu haben und zufrieden mit den jüngsten Fortschritten. "Wir mögen Berichte von jungen Mädchen, die zum ersten Mal zur Schule gehen", sagte Bush. "Wir schätzen eine freie Presse. Wir sind begeistert, wenn wir eine unternehmerische Klasse aufwachsen sehen." Menschen in der ganzen Welt verfolgten die Ereignisse in Afghanistan.

Warnung vor iranischer Atombombe

Bush warnte in Kabul auch eindringlich vor dem Aufstieg des Irans zu einer Atommacht. Eine iranische Atombombe "wäre das Destabilisierendste, was der Region und der Welt passieren könnte", so Bush. "Der Iran darf keine Atombombe haben", sagte er. Washington werde mit Freunden und Alliierten darauf hinarbeiten, die Regierung in Teheran davon zu überzeugen, auf ein eventuelles Atomwaffenprogramm zu verzichten.

Bush sei bei der Planung des Besuchs in Indien und Pakistan vor acht Wochen auf die Möglichkeit eines Zwischenstopps in Afghanistan hingewiesen worden, und er habe das Angebot angenommen, sagte Präsidentensprecher Scott McClellan.

Pressehubschrauber eröffnete Feuer

Der Besuch von Bush wurde offiziell erst bestätigt, als die Präsidentenmaschine bereits auf dem US-Militärstützpunkt Bagram nördlich von Kabul gelandet war. Der US-Präsident reiste in einem Konvoi schwerbewaffneter Hubschrauber nach Kabul weiter, berichtet AP. Aus einem Pressehelikopter feuerten zwei Schützen eine kurze Salve aus einem Maschinengewehr auf unbekannte Ziele, während der Helikopter tief und schnell über die kahle Landschaft flog. Vorerst gab es keine Begriffe über Opfer.

Es handelt sich erst um den zweiten Frontbesuch von Bush. Ende 2003 hatte er an einem Erntedank-Essen mit US-Soldaten im Irak teilgenommen, von dem erst berichtet werden durfte, als der US-Präsident schon wieder in die USA abgereist war.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Kabul waren verschärft worden, Helikopter sicherten den Luftraum ab, auf den Straßen waren US-Jeeps auf Patrouille zu sehen. Bush sollte in der afghanischen Hauptstadt an der offiziellen Einweihung des US-Botschaftsgebäudes teilnehmen und in Bagram eine Rede vor den dort stationierten US-Soldaten halten.

Taliban-Offensive befürchtet

Der militärische Geheimdienst der USA zeichnete aber erst vor wenigen Tagen ein düsteres Bild von der Sicherheitslage im Land: Die Rebellen stellten ein größeres Hindernis für die Ausweitung der Autorität der Regierung Karsai dar als je zuvor seit dem Sturz der Taliban Ende 2001, sagte dessen Chef Michael Maples am Dienstag vor dem US-Senat. Die von den Taliban angeführten Aufständischen seien nach wie vor schlagkräftig und flexibel in ihrem Vorgehen. Im Frühjahr sei eine neue Initiative von ihrer Seite zu erwarten.

Maples Angaben zufolge hat sich die Zahl der Selbstmordanschläge gegenüber 2004 vervierfacht. Zudem terrorisierten die Rebellen zunehmend die örtliche Bevölkerung durch Entführungen und die Enthauptung ihrer Geiseln. "Dieser aggressiver gewordene Feind wird die afghanische Regierung und die internationalen Bemühungen um ein stabiles Afghanistan beeinträchtigen", sagte er.

Proteste in Indien

Am Abend wurde Bush in der indischen Hauptstadt Neu Delhi erwartet, am Samstag will er nach Islamabad in Pakistan weiterreisen. Bei den Gesprächen mit der politischen Führung beider Länder geht es darum, die bilateralen Beziehungen zu stärken - sowohl auf wirtschaftlichen Gebiet als auch im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Vor allem Pakistan ist hier ein wichtiger Verbündeter der USA.

In Indien stehen Verhandlungen über einen amerikanisch-indischen Nuklearpakt auf der Tagesordnung. Der Pakt gilt als Eckpfeiler einer aufkeimenden strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern, nachdem Washington und Neu-Delhi während des Kalten Kriegs jahrzehntelang auf Distanz gegangen waren. Vertreter beider Seiten hatten gehofft, letzte Unklarheiten vor Bushs Besuch aus dem Weg zu räumen. Zuletzt bestanden aber noch Differenzen über eine klare Trennung zwischen zivilen und militärischen Atomprogrammen Indiens.

Demonstrationen

Vor Bushs Ankunft gingen am Mittwoch in Neu-Delhi zehntausende Menschen aus Protest gegen den Besuch auf die Straße. Die Polizei schätzte die Zahl der hauptsächlich muslimischen Demonstranten auf bis zu 100.000.

Einer der Sprecher der Kundgebung, der Hindu-Politiker Raj Babbar, betonte: "Ob Hindu oder Muslim, das indische Volk ist hier zusammengekommen, um seine Verärgerung kund zu tun." Und der ehemalige Ministerpräsident V.P. Singh sagte unter dem Beifall der Menge: "Die Menschen in Indien haben eine kategorische Botschaft für George Bush: Geh heim!" Vor allem die US-Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak sind in Indien auf Ablehnung gestoßen. (red/APA/AP/dpa/Reuters)

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    "Willkommen, Präsident, in Afghanistan": Hamid Karzai begrüßt seinen Amtskollegen vor dem Präsidentenpalast in Kabul.

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    US-Präsident George W. Bush tritt mit seinem afghanischen Amtskollegen Hamid Karzai vor die Presse.

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