Bundesliga-TV: UPC nicht abgeneigt

14. März 2006, 14:05
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UPC-Mutter Liberty ist weltgrößter Kabel- betreiber abseits der USA - Chef Michael Fries und Österreich-Manager Hintze im STANDARD-Interview über Fußball und Inode

UPC-Mutter Liberty ist weltgrößter Kabelbetreiber abseits der USA. DER STANDARD fragte ihren Chef Michael Fries und Österreich-Manager Thomas Hintze nach Fußball und Inode.

STANDARD: In Deutschland hat mit Arena ein Kabelbetreiber Premiere die TV-Rechte an der Bundesliga weggeschnappt. Liberty Global betreibt die größten Kabelnetze in der Schweiz und Österreich. Wollen Sie um die TV-Rechte an den Ligen dieser Länder mitbieten? In Österreich werden sie schon für 2007/08 neu verhandelt.

Michael Fries: Es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Aber es wäre nur logisch, wenn wir diese Möglichkeit evaluieren.

STANDARD: Sie wollten große Kabelnetze in Deutschland übernehmen, das Kartellamt legte sich quer. Ist Deutschland damit für Sie gestorben?

Fries: Man soll nie niemals sagen. Aber der deutsche Kabelmarkt ist sehr kompliziert strukturiert. Über die Jahre wurde dort deshalb auch kaum in Infrastruktur investiert. Im Gegensatz etwa zu UPC Österreich, die hier international ganz vorne mitspielt.

STANDARD: In Österreich vergrößern Sie ihre Reichweite mit dem Breitbandanbieter Inode deutlich. Haben die Wettbewerbsbehörden den Deal schon abgesegnet?

Thomas Hintze: Uns wurde mitgeteilt, dass die Bundeswettbewerbsbehörde keinen Grund sieht, die Übernahme den Kartellgerichten zur näheren Prüfung vorzulegen.

Fries: Inode erweitert unseren Kundenkreis - mit einer Technologie, die für Sprachtelefonie und Daten sehr gut funktioniert - weit über das bestehende Kabelnetz hinaus.

STANDARD: Dafür macht Ihnen die Telekom Austria nun mit Fernsehen über ihr Leitungsnetz Konkurrenz.

Fries: Wir müssen die Telekoms ernst nehmen. Das sind die Riesen, Kabel ist noch immer der David in diesem Match. Sie können große Schecks ausstellen - und irrationale Dinge tun. Aber sie können nichts, was wir nicht besser können. Wir können ebenso Sprachtelefonie anbieten, haben das schnellere Datenangebot und wir haben ganz klar mehr Erfahrung im Fernsehgeschäft. Da bin ich lieber in unserer Position, deren Geschäft anzugreifen, als umgekehrt. UPC Österreich macht schon 65 Prozent ihrer Umsätze mit Sprachtelefonie, Datenverkehr und Digital-TV. Der höchste Wert unter unseren 13 Kabelnetzen in Europa.

Hintze: Und wenn IP-TV zufriedenstellend funktionieren sollte, können wir es dank Inode über unsere bestehenden Kabelnetze hinaus ebenfalls anbieten.

Fries: Keine Frage, aber IP-TV kann nie besser sein als digitales Fernsehen über Kabel.

STANDARD: Digitale Satellitenhaushalte in Österreich nehmen rasant zu, digitale bleiben bisher, vorsichtig formuliert, konstant auf relativ geringem Niveau.

Fries: In den Niederlanden liefern wir gerade allen unseren gut zwei Millionen analogen Kabelkunden kostenlos eine Decoderbox für digitales Kabelfernsehen. Die schließen Sie problemlos selbst an und sind an Bord. Sechs Monate lang bekommen sie zumindest zehn digitale Kanäle zusätzlich kostenlos. Ab dann zahlen Sie zwei Euros für die Box und einige Extrakanäle. Und wenn Sie ein digitales Premiumpaket wollen, zum Beispiel mit Sportprogrammen, kostet das zusätzlich ein paar Euro.

STANDARD: Wann kommen österreichische Kunden dran?

Fries: Wir schauen uns erst die Erfahrungen in den Niederlanden an, bevor wir darüber nachdenken. Dort versorgen wir über unser Kabelnetz rund 90 Prozent der Haushalte, in Österreich die Hälfte. Das sind andere Ausgangspositionen. Dazu kommt die große Konkurrenz frei empfangbarer Fernsehprogramme über Satellit im deutschsprachigen Raum.

STANDARD: Da dürften Ihnen die Pläne deutscher Privatsender wie RTL oder ProSieben entgegenkommen, ihre Signale auch über Satellit zu verschlüsseln und nur über eine Gebühr zugänglich zu machen. Wenn Fernsehen auch über Satellit kostet, argumentieren Sie wohl das Kabelentgelt leichter. Aber nochmals zu anderen Diensten: Wenn sie Ihr Einzugsgebiet mit einem Internetanbieter erweitern - wie wäre es mit einem Mobilfunker?

Fries: Wir denken darüber grundsätzlich nach. In Österreich arbeiten wir mit One zusammen. In anderen Märkten, etwa in der Schweiz, den Niederlanden, Japan haben wir Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern, wo wir die Umsätze teilen. Wir treten dort selbst als virtueller Mobilfunkanbieter auf, der eben das Netz eines anderen dafür nutzt. Und wir denken über intensivere Partnerschaften mit Mobilfunkanbietern nach. (DER STANDARD; Printausgabe, 1.3.2006)

Zur Person

Michael Fries ist President und Chief Executive Officer von Liberty Global und war das schon bei ihrem Vorgängerkonzern UGC, für den er schon seit 1990 arbeitete.

Zum Konzern

Liberty Global zählt zum Medienreich des US-Multis John Malone. Sie hat Kabelnetze in Südamerika, Japan und einem Dutzend europäischer Länder, etwa UPC Austria.

Die Fragen stellte Harald Fidler

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