Interviews hinter Gittern immer begehrter

1. März 2006, 14:24
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Irving erhielt seltene Sprecherlaubnis -

Wien – David Irving zweifelt auch nach seiner Verurteilung weiter am Holocaust, Robert Mang plaudert noch vor seinem Prozess über die Saliera – im Wiener Landesgericht scheinen sich derzeit Journalisten die Türklinke in die Hand zu geben. Jüngst war sogar die britische BBC zu Gast im Grauen Haus. Kein einziges Interview wird freilich in einer Zelle gegeben, so manches Gespräch findet überhaupt nicht statt.

Keine direkte Sprecherlaubnis für U-Häftlinge

U-Häftlinge, wie der mutmaßliche Saliera-Dieb Mang, erhalten keine direkte Sprecherlaubnis. „Das ist nicht unser Stil“, meint Gerichtssprecherin Alexandra Mathes auf Standard-Anfrage. „Exklusiv- Interviews“ mit dem hinter Gittern befindlichen Alarmanlagenfachmann sind dennoch erschienen. Die Erklärung ist banal: Sein Rechtsanwalt ging mit ausgewählten Fragen ausgewählter Medien hinein und kam mit schriftlichen Antworten heraus. „Das ist nicht verboten“, erklärt Mathes.

Im Fall von David Irving hat der Richter nach dem nicht rechtskräftigen Urteil in der ersten Instanz (drei Jahre Haft) Sprechkarten ausgegeben. Kameras sind dabei nicht erlaubt, ein Besuch (im Besucherraum) darf höchstens eine Viertelstunde dauern – Zeit genug für Irving, vor BBC-Reportern neuerlich Zweifel an der systematischen Ermordung von Juden durch die Nationalsozialisten zu äußern.

Wie berichtet, geht der Wiederbetätigungsprozess voraussichtlich noch heuer in die Berufung, da die Staatsanwaltschaft das Strafmaß für zu niedrig hält, Irving dagegen für zu hoch. Bis dahin bleibt der 67-Jährige in U-Haft. Wer jedoch rechtskräftig „Schmalz“ ausfasst, hat in Österreich nichts mehr öffentlich zu sagen. „Es gibt keine Interviews in Strafvollzugsanstalten“, stellt Sektionschef Michael Neider aus dem Justizministerium fest. (Michael Simoner, DER STANDARD Printausgabe, 01.03.2006)

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