US-Botschafter drängt zu UN-Debatte

3. März 2006, 13:10
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Vor IAEO-Sitzung nehmen die USA den jüngsten Iran-Bericht als Beleg für die Notwendigkeit von Sanktionen

Wien/Teheran - Elf Seiten ist der jüngste Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien lang, listet einen Katalog alter Fragen zum iranischen Atomprogramm auf und endet mit einem Appell an Teheran, der zugleich die beschränkten Möglichkeiten der IAEO-Inspektoren einräumt: Ohne vollständige Offenlegung des Atomprogramms und Zusammenarbeit mit der IAEO über die Verpflichtungen des Atomwaffensperrvertrags und seines Zusatzprotokolls hinaus könne die UN-Behörde die Angaben des Iran nicht überprüfen.

"Fragen zur Vergangenheit und zur derzeitigen Richtung des iranischen Nuklearprogramms" würden andernfalls nur weiter gestellt werden, heißt es in dem Bericht, der den Medien zugespielt wurde.

Für USA "kein friedliches Projekt"

Für die USA unterstreicht dagegen der Bericht von IAEO-Direktor Mohammed ElBaradei, warum der Iran das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft verloren hat und auf der Agenda des UN-Sicherheitsrates ganz oben steht. "Das iranische Atomprogramm ist kein friedliches Projekt. Es geht dabei nicht um arglose Forschung und Entwicklung", sagte der US-Botschafter bei der IAEO, Gregory Schulte, am Dienstag in Wien.

"Die iranische Führung hat einmal mehr versagt", stellte Schulte mit Blick auf die Forderungen der IAEO nach mehr Kooperation fest. Sie bemühe sich darum, "das Material, die Anlagen und die Expertise" zu erlangen, um Nuklearwaffen zu bauen.

Zwei Punkte in dem IAEO-Bericht würden Teherans Streben nach Atomwaffen erneut verdeutlichen: Einerseits die 85 Tonnen Uraniumhexafluorid, die der Iran laut IAEO seit September 2005 produziert hat. Und zweitens, dass der Iran bis Ende des Jahres in Natanz 3000 Zentrifugen zur Urananreicherung in großem Maßstab in Betrieb nehmen will.

Wenn die 85 Tonnen Uraniumhexafluorid erfolgreich angereichert werden, könne der Iran ein Dutzend Atomwaffen herstellen, warnte ein hochrangiger Diplomat im US-Außenministerium und führte als Beleg eine Studie des Londoner International Institute for Strategic Studies an. Durch die 3000 Zentrifugen könnte der Iran zum Bau einer Atomwaffe weniger als ein Jahr benötigen, sagte der Diplomat. Um so dringlicher sei nun die für den 6. März angesetzte Sitzung des Gouverneursrates der IAEO zum iranischen Atomprogramm. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2006)

von András Szigetvari und Markus Bernath
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