Königreich unter Vulkanasche entdeckt

7. März 2006, 15:48
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Nach ersten Ausgra­bungen in Indonesien vergleichen die Archäo­logen den Fundort mit Pompeji - Tambora blieb 200 Jahre verschüttet

Kingston/Wien - Der Mount Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa katapultiert im Jahr 1815 etwa 400 Millionen Tonnen Schwefelgase bis zu 44 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Der Berg speit mehr als 100 Kubikkilometer Magma, Staub und Asche aus - die ein ganzes Königreich unter sich begraben.

Es ist der wohl schwerste Vulkanausbruch der jüngeren Menschheitsgeschichte, insgesamt sterben etwa 117.000 Menschen. Die Asche und Gase aus dem Tambora lassen die globale Atmosphäre so weit abkühlen, dass es ein Jahr später, 1816, in Europa und Nordamerika zum so genannten Jahr ohne Sommer kommt: Kälte und Frost vernichten die Ernten, in vielen Ländern kommt es zu Hungersnöten.

Fast 200 Jahre verborgen

Das verschüttete kleine Königreich Tambora bleibt beinahe 200 Jahre lang tief unter dem Auswurf des Berges verborgen - und beinahe vergessen. Nun aber haben US-Wissenschafter um den Ozeanologen und Vulkanologen Haraldur Sigurdsson von der University of Rhode Island in Kingston die ersten Überreste des damaligen Reichs ausgegraben. Und sind erstaunt über das Vorgefundene.

Unter einer rund drei Meter dicken Schicht aus Ablagerungen fand das Forscherteam Grundmauern eines Hauses samt den Überresten ihrer Bewohner - während ihrer Tagesarbeit von der extremen Hitze getötet und von der ausgespienen Asche konserviert.

"Pompeji des Ostens"

"Es ist möglich, dass Tambora so etwas wie das Pompeji des Ostens ist", vermutet Sigurdsson, der zuvor den italienischen Vulkan Vesuv beforschte, der bei seinem Ausbruch im Jahr 79 nach Christi die römischen Orte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und Stabiae unter Staub- und Aschemassen begraben hatte. "Alle Menschen, ihre Häuser und ihre Kultur sind so unter der Asche begraben und erhalten, wie sie im Jahr 1815 waren. Die Grabung ist von höchstem kulturellen Interesse."

Bisher freigelegte Fundstücke - Eisenwerkzeug, verzierte, teils beschriftete Bronzeschalen, Keramiktöpfe, und andere Kunstwerke - ließen auf kulturelle Einflüsse aus Vietnam und Kambodscha schließen. Die Sprache gehörte wahrscheinlich zur in Südostasien verbreiteten "Mon-Khmer"-Familie. Das Königreich sei sicher "sehr wohlhabend" gewesen - Schriften rühmten Tambora für ihre kostbaren Handelswaren: Honig, Pferde, Sandelholz.

Fund per Radar

Sigurdsson, der die Lage des verschütteten Reichs nach vielen Jahren mit Radar ausfindig gemacht hat, startet nun ausgedehnte Grabungen. Er vermutet unter der Asche weitere konservierte Leichen und kulturelle Schätze, unter anderem einen Palast. (fei/(DER STANDARD, Print, 1.3.2006)

  • Kunstvolle Keramik eines verschütteten Reichs, unter der Vulkanasche des Tambora auf Indonesien gefunden.
    foto: der standard/university of rhode island

    Kunstvolle Keramik eines verschütteten Reichs, unter der Vulkanasche des Tambora auf Indonesien gefunden.

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    Die Archäologen vermuten unter der Meter dicken Ascheschichte ein ganzes, wenn auch kleines Königreich.

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    Der riesige Krater ist alles, was nach einer der schwersten Eruptionen der jüngeren Menschheitsgeschichte vom Vulkankegel über blieb.

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