Berlusconi besucht Bush im Weißen Haus

4. März 2006, 17:03
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Italienische Opposition kritisiert Treffen - Helmut Kohl wechselt politisches Lager

Rom (APA) - Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi stärkt sechs Wochen vor den Parlamentswahlen in Italien seinen Draht zu Amerika. Berlusconi traf am Dienstag in Washington zu einem Gespräch mit US-Präsident George W. Bush ein. Bush lud den italienischen Ministerpräsidenten zu einem Mittagessen ins Weiße Haus ein. Danach kam es zu einem bilateralen Gespräch. Die Beziehungen zwischen Rom und Washington gelten vor allem nach Italiens Engagement im Irak als exzellent.

Berlusconi will auf seine einflussreichen internationalen Freundschaften setzen, um sich vor der Wählerschaft als angesehener Staatsmann zu profilieren. 23. und 24. März ist ein EU-Gipfel in Brüssel geplant, danach will Berlusconi nach Moskau weiterreisen, wo er seinen "Freund" Wladimir Putin treffen wird.

Der Besuch des Ministerpräsidenten in Washington wurde von der Opposition scharf kritisiert. "Berlusconi hat den US-Besuch aus reinen Propagandagründen organisiert. Ich denke aber, dass ihm Bush eine Abschiedsfeier organisiert hat", sagte der italienische Oppositionschef Romano Prodi.

Helmut Kohl wechselt in Italien das politische Lager

Deutschlands Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hat das politische Lager gewechselt - zumindest in Italien. Bei einem Besuch in Rom erklärte er jetzt, er wolle Romano Prodi - Mitte-Links-Herausforderer von Ministerpräsident Silvio Berlusconi bei den Parlamentswahlen Anfang April - im Wahlkampf unterstützen: "Ich möchte, dass mein Aufenthalt hier als Unterstützung für Prodi verstanden wird, der ein großer Europäer ist", erklärte der "Kanzler der Einheit". Prodi sei ein "hervorragendes Beispiel für einen kosmopolitischen Italiener, der mit den Wurzeln seines Landes verbunden ist, aber fähig ist, über die Grenzen zu schauen".

Prodi, der mit seinem Wahlbündnis "Unione" bei den Wahlen antritt, sei seit langem ein Freund - "und dieses Wort benutze ich nicht leichtfertig", fügte Kohl hinzu. Er danke dem italienischen Politiker, der von 1996 bis 1998 bereits Regierungschef war, vor allem für dessen Nähe "am tragischsten Tag meines Lebens - der Beerdigung meiner Frau".

Kohl traf auch mit Vertretern des Mitte-Rechts-Bündnisses "Casa delle Libertà" (Haus der Freiheiten) zusammen. Jedoch habe er kein Wort der Solidarität für deren Politik gefunden, schrieb die Zeitung "La Repubblica" am Dienstag. Stattdessen kritisierte er die Regierung in Rom: "Bis vor einigen Jahren wechselten die Regierungen in Italien zwar häufig, aber wir wussten zumindest immer, dass - egal wer in Rom an der Macht war - Italien fest an der Seite Europas stand. Nicht nur mit Worten, sondern mit Tatsachen. Heute fehlt diese Stimme aus Italien", sagte Kohl. (APA/dpa)

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