Gewalt ist manchmal ein schönes Bild

8. März 2006, 16:28
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Eine Projekt-Präsentation anlässlich des Internationalen Frauentages 2006

"Gewalt ist manchmal ein schönes Bild" ist ein gemeinsames Projekt des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser und des Vereins zur Förderung der medialen Vielfalt und Qualität.

Medien spielen bei der Enttabuisierung des Themas Gewalt gegen Frauen und Kinder eine entscheidende Rolle. Zeitdruck, fehlende Flexibilität bei redaktionellen Abläufen und interne Vorgaben führen jedoch häufig dazu, dass soziale Probleme wie Gewalt gegen Frauen und Kinder in Beziehungen in den Medien klischeehaft und nicht der Realität entsprechend dargestellt werden. Beim Thema Beziehungsgewalt sind Fotos von verängstigten Frauen, die in einer Ecke kauern weit verbreitet. Vor ihnen steht ihr Mann mit erhobener Hand. Diese Abbildungen reduzieren das Thema auf die Vorstellung, dass misshandelte Frauen arme, schwache Hascherl sind und gewalttätige Männer immer aggressive, finstere Typen, vor denen sich alle fürchten.

Unauffälligkeiten

Aus jahrelanger Erfahrung ist bekannt, dass dem nicht so ist: Frauen, die in einer Gewaltbeziehung leben, beweisen oft viel Stärke, weil sie zuhause ständig in Gefahr sind, von ihrem Mann oder Partner misshandelt zu werden, gleichzeitig aber versuchen, ein ganz normales Leben zu führen: Sie versorgen die Kinder und den Haushalt, gehen zur Arbeit und niemand bemerkt, in welcher Situation sie sich eigentlich befinden. Gewalttätigen Männern wiederum, sieht man nicht an, dass sie ihre Partnerin misshandeln. Sie sind oft sympathische, beliebte Menschen, von denen niemand vermutet, was sich zuhause abspielt. Aber das ist nur ein Aspekt: Die zahlreichen Kritikpunkte an der visuellen Darstellung des Themas in den Medien aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Projektbeschreibung sprengen.

Medien beziehen ihr Bildmaterial meistens über professionelle Agenturen, die Abbildungen zum Thema Gewalt in Beziehungen beschränken sich dabei auf einige wenige Sujets. Abseits von Bildagenturen gibt es kaum Bildmaterial, das der Realität entspricht und zur Richtigstellung von Mythen und somit zur Prävention von Gewalt beiträgt.

Bildproduktion

Das Projekt "Gewalt ist manchmal ein schönes Bild" greift dieses Defizit auf und zielt darauf ab, Bilder zum Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder in Beziehungen herzustellen, die präventiven Charakter haben. Die Bilder sollen die Vielschichtigkeit des Problems aufzeigen, die Reduzierung von Frauen auf die Opferrolle vermeiden und Medien und anderen Interessierten online zur Verfügung stehen.

Eine erste Auswahl von Bildern wurde im Rahmen einer Projekt-Präsentation am 7. März 2006 gezeigt und im Internet zum kostenlosen Download zur Verfügung gestellt. In einem weiteren Projekt-Schritt wird das vorhandene Material dann zu einer online-Datenbank ausgebaut werden. (red)

  • Artikelbild
    foto: infostelle gegen gewalt
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