Berater kamen den ÖBB teuer

27. März 2006, 15:51
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RH-Prüfbericht bemängelt "wenig sparsamen und wirtschaftlichen Umgang" - 2003 flossen 22 Millionen Euro an 364 Beratungsunternehmen

Wien - Als "wenig sparsam" bezeichnet der Rechnungshof (RH) den Umgang der ÖBB mit externen Beratungsleistungen. Deren Einsatz erfolgte von 1999 bis 2001 nicht zu knapp: Die ÖBB kaufte Know-how im Volumen von 34,55 Millionen Euro zu; von 2002 bis 2004 waren es sogar 56,18 Mio. Euro.

Höchster Beratungsaufwand 2003

Damit lag der durchschnittliche Beratungsaufwand zuletzt mit jährlich 18,73 Mio. Euro schlanke 63 Prozent über dem Durchschnittswert der Jahre 1999 bis 2001, was laut ÖBB insbesondere auf Vorbereitung und Durchführung der ÖBB-Reform zurückzuführen ist. Die staatlichen Buchprüfer rechnen allerdings vor: Der zusätzliche jährliche Beratungsaufwand von 7,21 Mio. Euro entsprach den Kosten von 103 Arbeitsplätzen bzw. der Entlohnung von weiteren 17 Vorstandsmitgliedern.

Der höchste Beratungsaufwand fiel 2003 an, in dem die ÖBB 364 Beratungsunternehmen beschäftigten, die 21,81 Mio. Euro Honorar bezogen. Die damals von Rüdiger vorm Walde - er wurde 2004 vorzeitig aus seinem Vorstandsvertrag abgefertigt - geführte ÖBB begründete den Anstieg mit vermehrten strategischen Aufgaben, geändertem Führungsstil und Mängeln in den Prozessen. Der RH kritisiert freilich, dass teils keine Kosten-Nutzen-Untersuchungen zugrunde lagen und die ÖBB bei der Vergabe mitunter nicht nur das Vergabegesetz, sondern sogar ihre eigenen Vorschriften außer Acht ließ. Etwa, in dem Rahmenverträge vereinbart wurden, um Einzelausschreibungen zu umgehen. Schriftliche Bestellungen erfolgten teilweise erst nach Rechnungslegung.

Viel Geld für Juristen

Üppig auch der Aufwand für Rechtsberatung, er betrug 2004 mit 6,34 Mio. Euro mehr als das 3,5-fache des Wertes von 1999.Das Stundenhonorar lag bis zu 79 Prozent über den früher bezahlten Sätzen, der Zuschlag erfolgte ohne schriftliche Angebotslegung.

ÖBB-Holding-Chef Martin Huber, seit 2005 in Funktion, versicherte am Dienstag, dass die ÖBB heuer nur sechs Mio. Euro für Beratung ausgeben würden. Außerdem seien im RH-Bericht unter Beratung auch Software-Entwicklung, Wirtschaftsprüfung, Personalschulungen und Kundenzufriedenheitsanalysen unter Beratung subsumiert. Die reinen Beratungskosten hätten 2003 "nur" elf Mio. Euro betragen, was aber auch "inakzeptabel" sei. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.3.2006)

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    Der Rechnungshof empfiehlt den ÖBB, die im Unternehmen vorhandenen Fachkompetenzen und Ressourcen vorrangig zu nutzen.

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