Abnehmen in der Gruppe

28. Februar 2006, 14:14
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Psychologin: Gruppendynamik bringt einerseits Selbstwert-Schätzung, birgt bei Essgestörten jedoch Gefahren

Wien - Schlanker Bauch, knackiger Po, straffe Oberschenkel und wohlgeformte Oberarme: Dem Schreckgespenst Idealfigur, das bis zum Badesaisonbeginn in den Köpfen vieler ÖsterreicherInnen herumgeistert, soll der Kampf angesagt werden. Während einige bereits seit dem Jahreswechsel zumindest den Versuch des Abnehmens gestartet haben, nehmen viele spätestens den Beginn der Fastenzeit zum Anlass, die Fettpölsterchen in straffes Gewebe umzuwandeln. Laut einer Wiener Psychologin helfe beim Abnehmen und Sport die Gruppendynamik gegen die Bequemlichkeit.

Positiva einer Gruppe

In einer Gruppe könne durch die anderen "sehr viel Selbstwertschätzung passieren", meinte die Klinische und Gesundheitspsychologin Hilde Wolf, Leiterin des Frauengesundheitszentrum F.E.M. Süd im Gespräch mit der APA. Die Gespräche der Betroffenen, der Erfahrungsaustausch über das bisherige und neue Essverhalten, die neu gewonnene Beweglichkeit und wie man/frau die Bequemlichkeit überwindet, sei eine gute Sache im Kampf gegen die Kilos.

"Viele Übergewichtige - besonders die Frauen - isolieren sich sozial, wenn sie sich zu dick fühlen", erklärt Wolf. Aber es gehe darum, das Leben zu genießen. Und würde es in der Gruppe oder paarweise leichter fallen, wenn man sich auf "heikle" Terrains wie das Schwimmbad oder den Tanzsaal begibt.

Gefahren einer Gruppe

Es kann aber auch vorkommen, dass mit dem Abnehmen in der Gruppe übertrieben wird. Bestes Beispiel sei das Wetthungern, dass zur Zeit gerne in Hollywood betrieben wird. Hatten etwa die Darstellerinnen der US-Serie "Desperate Housewives" noch zu Drehbeginn ansehnliche Figuren, dominieren jetzt Knochen und eingefallene Wangen.

Deshalb müsse sehr deutlich zwischen Übergewichtigen, welche die Kilos über Jahre hinaufgefuttert haben, und essgestörten Menschen unterschieden werden, sagte Wolf. "Da muss man sehr aufpassen, ob da eine solche Abnehmgruppe gut tut", sagt Wolf. Meist rät man Essgestörten zu Einzelberatungen, wie sie im F.E.M. angeboten werden. Die Teilnahme an einer Gruppe sei laut der Psychologin nur dann angebracht, wenn der Mensch über eine gewisse Stabilität verfügt. Ansonsten könne es gefährlich werden, wenn die TeilnehmerInnen einander aufstacheln.

Vorab-Check

Die TeilnehmerInnen einer so genannten Diätgruppe sollten zuvor "gecheckt" werden: Vorgeschichte, familiärer Hintergrund, welche Diäten gab es im Vorfeld, welche Ansprüche hat die Person und wie sieht es mit der Lebenszufriedenheit aus. Dabei zeigt sich laut Wolf sehr schnell und deutlich, ob eine Essstörung vorliegt. Es sei in ihrem Institut noch nie vorgekommen, dass es durch eine Diätgruppe zu einer Essstörung gekommen wäre. (APA)

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    foto: der standard/corn heribert
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