Deichmann vor Expansionsschritten

9. März 2006, 16:56
posten

Stiefelkönig-Übernahme wird geprüft - Heuer neun neue Filialen in Österreich geplant - Höhere Preise durch EU-Schutzzölle erwartet

Wien - Das größte europäische Schuhhandelsunternehmen Deichmann hat 2005 auch in Österreich ein Rekordergebnis erzielt. Die Nummer drei auf dem österreichischen Schuhmarkt will heuer weiter expandieren, zum Wachstum sollen neun neue Filialen und die Kinderschuhmarke "Elefanten" sowie die Herrenschuhmarke "Gallus" beitragen, die beide im Vorjahr übernommen wurden. Neben dem organischen Wachstum prüft die deutsche Schuhhandelskette auch die Übernahme von Stiefelkönig.

"Wir beschäftigen uns mit dem Thema Stiefelkönig", bestätigte Deichmann Österreich-Geschäftsführer Georg Müller, ohne nähere Details zu nennen. Die Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K könnte Stiefelkönig verkaufen, die Schuhhandelskette hat zuletzt mit einem kolportierten Gewinn von vier Millionen Euro den Turnaround geschafft. Der Kaufpreis könnte Medienberichten zufolge bei 30 Millionen Euro liegen.

Österreichische Marktführerschaft nach Übernahme

Deichmann würde mit der Stiefelkönig-Übernahme mit einem Schlag zum Marktführer in Österreich aufrücken. Der Marktanteil von Leder & Schuh (Humanic, Corti, Dominici, Jello, Shoe 4 You und Top Schuh) liegt laut Deichmann bei 20 Prozent, von Stiefelkönig bei zwölf bis 13 Prozent, Deichmann hält zehn Prozent Marktanteil.

Preiserhöhungen in Sicht

Die angekündigten Anti-Dumping-Zölle der EU auf Lederschuhe aus China und Vietnam, wo 60 Prozent der Deichmann-Schuhe produziert werden, werde "sicherlich zu Preiserhöhungen" führen, sagte Deichmann-Unternehmenssprecher Ulrich Effing. Man arbeite mit sehr knappen Margen, daher habe man "keine Luft" mehr: Ein mit 19,90 Euro-Schuh könnte dann 24,90 Euro kosten. Die Schutzzölle seien unsinnig, weil die Arbeitsplätze in Südeuropa dadurch nicht zurückkämen und nur die Verbraucher zur Kasse gebeten würden, meinte Effing. Deichman überlege auf Grund der Schutzzölle die Produktion nach Indien, Kambodscha oder Laos zu verlegen, was aber etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen würde und zwischenzeitlich "zu einem schmaleren Angebot und höheren Preisen" führen würde.

Börsegang wird ausgeschlossen

Deichmann hat im Vorjahr in Österreich mit 700 Mitarbeitern und 102 Filialen den Umsatz um 20,4 Prozent (flächenbereinigt um 14 Prozent) auf 104,4 Mio. Euro gesteigert und 5,13 Millionen Paar Schuhe (plus 21 Prozent, flächenbereinigt plus 14,2 Prozent) abgesetzt, berichtete Deichmann Österreich-Geschäftsführer Peter Hartmann. Der österreichische Schuhmarkt sei 2005 vergleichsweise um 5,7 Prozent gewachsen. Das operative Ergebnis sei in Österreich und in der Gruppe "erfreulich" gewesen, an die Börse wolle das Familienunternehmen nicht, hieß es.

Millionen für Neueröffnung und Modernisierung

Heuer will Deichmann in Österreich neun neue Filialen eröffnen, das Potenzial liege bei 120 bis 130 Filialen. Drei Millionen Euro sollen heuer in die Neueröffnung und Modernisierung von Filialen fließen. Von Österreich aus wird die Expansion in Osteuropa betrieben, wo mittelfristig die Marktführerschaft angestrebt wird. In Ungarn ist Deichmann seit 2001 mit 21 Filialen aktiv, in Tschechien seit 2003 mit 25 Filialen, in der Slowakei seit 2004 mit 4 Filialen. Heuer ist der Markteintritt in Slowenien fünf Filialen und 2007 in Kroatien mit einer Filiale geplant.

Qualität zu Billigpreisen

Deichmann sei "stolz auf seine niedrigen Preise", sehe sich aber nicht als "Billiganbieter", betonte Hartmann. Billiger als in der Vergangenheit, aber mit gleicher Qualität wolle Deichmann auch die Markenschuhe Elefanten und Gallus anbieten. Neben den Rechten für die beiden Traditionsmarken, die in die Verluste geschlittert waren, hat Deichmann auch die Original-Leisten und Werkzeuge und einige spezialisierte Mitarbeiter übernommen.

Produziert werden die "Elefanten"-Schuhe in Portugal, der Slowakei und Indien, die "Gallus"-Schuhe in Indien, Italien und Rumänien. In Kärnten will Deichmann das Gallus-Werk hingegen nicht wieder aufsperren. Das in Wolfsberg im Kärntner Lavanttal beheimatete Herrenschuh-Unternehmen hatte Ende 2004 Konkurs angemeldet und war Ende Jänner 2005 geschlossen worden. Bei "Gallus" und "Elefanten" will Deichmann künftig mit Kostenvorteilen durch größere Mengen, dem Wegfall der Zwischenhändler und einer optimierten Logistik erfolgreich sein.

Die deutsche Deichmann-Gruppe (Essen) hat 2005 in elf europäischen Ländern und den USA 101 Millionen Paar Schuhe (plus 12,3 Prozent) verkauft und mit 23.900 Mitarbeitern und 2.066 Filialen 2,5 Milliarden Euro Umsatz (plus 12,2 Prozent) erzielt. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Heuer will Deichmann in Österreich neun neue Filialen eröffnen.

Share if you care.