PCjacking - Aktionismus im Namen der Freien Software

17. März 2006, 10:31
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Franzose kämpft für die Popularität von Linux mit der Live-CD in der Hand - Computer bleiben unbeschadet

Der 25-jährige Franzose Manu Cornet, Ubuntu-Entwickler und starker Befürworter von freier Software, beschreitet neue Wege des Marketings. Mit PCjacking will er Computeranwender darauf hinweisen, dass es auch andere Betriebssysteme abseits von Windows gibt. Dazu geht er in Elektronikmärkte und startet Linux per CD auf dort ausgestellten Rechnern. Dann hofft der PCjacker, dass die Aktion von Verkäufern möglichst lange unbemerkt bleibt, shoppende Leute darauf aufmerksam werden und sich eine Weile mit der Windowsalternative beschäftigen.

Live-CD

Das Linux-System wird dabei auf den Rechnern von der Live-CD gestartet. Dadurch ist keine Manipulation an der Harddisk nötig. Cornet weist auf seiner Seite extra darauf hin, dass PCjacking sicher für den entführten PC ist, keine Daten gelöscht werden und der Computer absolut unbeschadet bleibt. Der Hinweis ist vor allem als Argument zu verstehen, denn Cornet hofft auf Nachahmer. Idee und Hintergründe dieser Aktionen erklärt der Linux-Rebell im pressetext-Interview.

pressetext: Was wollen Sie mit den Aktionen erreichen?

Cornet: Ich glaube, dass die Großzahl der Menschen, die einen Computer besitzen gar nicht wissen, dass es auch andere Software abseits von Windows gibt. In Frankreich kommen nahezu alle PCs mit vorinstalliertem Windows zum Kunden. Auf der anderen Seite gibt es in Argentinien viele PCs mit Linux als Standardbetriebssystem. Argentiniens Behörden arbeiten teils mit Windows, teils aber auch mit Linux. Damit haben die Argentinier einen Vorteil gegenüber den Franzosen: Sie können zwischen den Systemen wählen. In Frankreich weiß der Großteil gar nicht über die Existenz der Windowsalternative bescheid. Wie gesagt gibt es kaum eine Möglichkeit, in Frankreich Rechner ohne Windows zu kaufen, wobei das Betriebssystem immerhin ein Viertel des Gesamtpreises ausmacht. Die Idee zum PCjacking kam mir im Oktober des vergangenen Jahres. Die erste Umsetzung erfolgte ein paar Tage darauf. Ich will nicht sagen, dass jeder Linux lieben wird. Jedoch bin ich der Meinung, dass jeder auch die Alternativen kennen soll, um dann wählen zu können, was das Beste für ihn ist.

pressetext: Glauben Sie, dass die Aktionen den erwarteten Effekt haben?

Cornet: Ich bin ein Open-Source-Entwickler und weiß, dass das Programmieren sehr viel nutzbringender für Linux ist, als die PCjacking-Aktionen. Und solange ich der einzige bin, wird es ohnehin nicht sehr viel bringen. Ich hoffe jedoch, dass einige Leute dasselbe in ihrem Land machen werden. Bereits jetzt habe ich dutzende E-Mails von Leuten erhalten, die es mir gleichtun wollen. Jedoch müssen die Menschen aufhören nur darüber zu reden, sondern es einmal tun und damit die Tatsache bewerben, dass es auch andere Möglichkeiten neben Windows gibt. Linux ist super, schnell, sieht gut aus und kostet exakt 0 Euro.

pressetext: Ist PCjacking nicht eine eher unorthodoxe Methode?

Cornet: Bei den Aktionen muss man natürlich auf jeden Fall absolut gewaltfrei bleiben. Ich habe bei meinen Aktionen niemanden verletzt oder jemandem geschadet. Auch für die Computer ist PCjacking absolut harmlos. Entfernt man die Live-CD aus dem Laufwerk und bootet das System neu, so ist alles wieder wie es war. Ich würde auch mit keiner anderen Methode als dieser übereinstimmen. Optimalfall ist es natürlich, einen aufgeschlossenen Shopbesitzer zu finden, der in eine Linux-Live-Demonstration einwilligt. Das ist allemal besser.

pressetext: Hatten Sie schon Probleme deswegen?

Cornet: Bisher hatte ich weder mit Geschäftsinhabern noch mit der Polizei Probleme. Ich glaube auch, dass es keine geben wird, zumal mit diesen Aktionen kein Schaden angerichtet wird, zumindest von meinem Standpunkt aus. Weiters habe ich auf die CD eine Erklärung geschrieben, damit derjenige, der den PC neu startet, weiß, was los ist und warum ich das gemacht habe. (pte)

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