Schließung mit Zugeständnissen nach fünf Wochen Streik

23. März 2006, 12:28
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Einigung nach Streik seit Mitte Jänner kostet dem schwedischen Konzern Electrolux 244 Millionen Euro - AEG-Werk wird bis Ende 2007 geschlossen

Nürnberg - Die schwedische Electrolux und die Gewerkschaft IG Metall haben sich in einem nächtlichen Verhandlungsmarathon auf eine Lösung für die Schließung des Nürnberger AEG-Hausgerätewerks verständigt. Das Werk wird bis Ende 2007 geschlossen und die Fertigung nach Italien und Polen verlagert. Für die rund 1.700 Beschäftigten wurde ein Sozialplan ausgehandelt.

Der nach mehr als zwölf Stunden ausgehandelte Kompromiss sehe vor, dass die rund 1.700 Betroffenen 1,8 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr als Abfindung erhielten, teilten Electrolux und die Gewerkschaft am Dienstag mit. Electrolux bezifferte die Kosten für die Schließung auf 244 Mio. Euro. Frühestens am Donnerstag soll die Belegschaft in einer Urabstimmung über ein Ende des seit 40 Tagen dauernden Streiks befinden. Mitarbeiter nahmen die Ergebnisse mit Buh-Rufen, vereinzelt aber auch mit Beifall entgegen.

Werkschließung Ende 2006 vom Tisch

Die Schweden hätten die Drohung zurückgenommen, das Werk bereits 2006 zu schließen, teilte die IG Metall mit. Es bleibe beim Fahrplan bis Ende 2007, allerdings müssen im Sommer 2006 bereits die ersten 500 Mitarbeiter der Hausgeräte-Fertigung in Nürnberg gehen.

Dem Kompromiss zufolge wird eine Beschäftigungsgesellschaft für zwölf Monate eingerichtet. Mitarbeiter im Alter von 55 oder mehr Jahren könnten in den Vorruhestand wechseln und erhielten vom Unternehmen eine Aufzahlung auf 85 Prozent des Gehaltes bis zum 63. Lebensjahr.

Die Gewerkschaft räumte ein, mit ihrem eigentlichen Ziel gescheitert zu sein. "Es ist negativ, dass wir unser Hauptziel nicht erreicht haben. Wir haben die Schließung des Werks in Nürnberg nicht verhindern können", sagte der Bevollmächtigte der IG Metall Nürnberg, Jürgen Wechsler am Dienstag in Nürnberg. Die Gewerkschaft hatte geplant, die Schließungskosten mit dem Streik auf mehr als eine halbe Milliarde Euro nach oben zu treiben und die Schließung damit unattraktiv zu machen.

Arbeit am Montag

Die Arbeit in Nürnberg kann laut IG Metall frühestens am Montag wieder aufgenommen werden. Electrolux-Europachef Horst Winkler habe aber gefordert, dass die Produktion bereits am Freitag wieder beginnen soll.

Viele Mitarbeiter sprachen sich für eine Fortsetzung des Arbeitskampfes aus. Wechsler wies die Forderungen zurück: "Meine Bewertung ist, dass wir später ein solches Ergebnis nicht mehr erreichen werden." Er lobte die Rolle des ehemaligen bayerischen Wirtschaftsministers und jetzigen Bahn-Vorstands Otto Wiesheu, der als Vermittler fungierte. "Ohne seine Vermittlung wäre es nicht möglich gewesen, heute Nacht zu einem Ergebnis zu kommen", sagte Wechsler.

Für die vier Electrolux-Dienstleistungstöchter gelte wieder der Metalltarifvertrag, sagte Wechsler. Für die nächsten drei Jahre sei eine Tariferhöhung von drei Prozent vereinbart worden. Für alle Service-Töchter und die Herd-Produktion in Rothenburg gebe es eine Standort- und Beschäftigungsgarantie bis Ende 2009. (APA/Reuters)

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    Electrolux und IG-Metall verständigten sich im AEG-Konflikt.

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