Pentagon widerspricht: Keine Beweise für BND-Hilfe für USA

2. März 2006, 10:36
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Sprecher des US-Militärkommandos, das Studie über irakische Verteidigung erstellte: Dokument ist geheim - New York Times kündigt weitere Veröffentlichungen an

Washington - Das US-Verteidigungsministerium hat am Montag einem Bericht der "New York Times" über die Hilfe deutscher Geheimagenten beim Irak-Krieg widersprochen. "Ich kenne keinen Beleg, der die Behauptung stützt", sagte Pentagon-Sprecher Bryan Whitman. Auch von deutscher Seite kam der Vorwurf der Unwahrheit. Die "New York Times" bleibt jedoch dabei und nennt in ihrer aktuellen Ausgabe weitere Details aus dem Geheimbericht.

Whitman bezog sich auf die Angaben der US-Zeitung, wonach in einem geheimen Papier des US-Militärs davon die Rede sei, dass deutsche Geheimagenten dem US-Militärgeheimdienst DIA militärische Verteidigungspläne der irakischen Führung verraten hätten. In dem Geheimpapier heißt es laut "NYT", dass durch die von deutscher Seite gelieferten Informationen das US-Militär einen außergewöhnlichen Einblick in die Planungen der irakischen Seite erhalten habe. Dazu hätten auch Informationen gehört, wo und wie Saddam Hussein seine loyalsten Soldaten in Stellung bringen wollte.

Geheimpapier bestätigt

US-Verteidigungsvertreter bestätigten, dass es zwar ein Geheimpapier für den Vereinigten US-Generalstab zum Irak-Krieg über irakische Verteidigungspläne gegeben habe. Es gebe darin aber keine Angaben zur Rolle deutscher Geheimdienste. "Der Vorwurf, dass der deutsche Geheimdienst Informationen über Saddams Kriegspläne an die Amerikaner geliefert hat, ist in dem Bericht nicht enthalten", sagte ein Pentagonvertreter, der anonym bleiben wollte.

Deutscher Regierungssprecher: "Falsch"

Zuvor hatte Pentagon-Sprecher Greg Hicks gesagt, er könne "nichts über die Gültigkeit dieser (Zeitungs-)Informationen sagen". Der deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm bezeichnete in Berlin den Bericht als "falsch"; ein weiteres Dementi kam vom deutschen Bundesnachrichtendienst (BND).

Dokument ist als geheim eingestuft

Ähnlich hatte sich Militärsprecher Leutnant Jim Krohne geäußert. "Wir wissen nicht, über was er (der Autor des Zeitungsbeitrags) spricht", sagte Krohne in Norfolk (Virginia). Die in der Zeitung zitierte Studie sei als geheim eingestuft. Krohne ist Sprecher des US-Militärkommandos, von dem die Studie stammen soll. Die Angaben über die Zusammenarbeit deutscher und amerikanischer Geheimdienste vor dem Irakkrieg würden derzeit von seiner Abteilung geprüft.

"New York Times" bleibt dabei

Die "New York Times" wehrt sich unterdessen gegen den Vorwurf der Unwahrheit und nennt weitere Details aus einem Geheim-Dossier der US-Armee. Chefredakteur Bill Keller legte am Dienstag einige Fakten nach, um die Glaubwürdigkeit zu untermauern. Detailliert zitierte sie aus dem Bericht des "Joint Forces Command", der obersten Befehlsstelle der verschiedenen US-Armeeeinheiten. Außerdem kündigte das renommierte US-Blatt die Veröffenlichung weiterter Auszüge aus der Geheimstudie an. (APA/red)

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    22. Februar 2003: Mitglieder der Baath-Partei trainieren für die Verteidigung Bagdads. Wenige Wochen zuvor soll die Einsatzbesprechung stattgefunden haben, in der Saddam Hussein seinen Verteidigungsplan präsentierte.

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