UNO: "Nicht in ein leeres Becken springen"

9. Juni 2006, 17:19
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UN-Generalsekretär Annan trifft zypriotischen Präsidenten Papadopoulos in Paris

Die UNO und Regierungsvertreter aus Nikosia berieten am Dienstag in Paris erneut über die Annäherung von Griechen und Türken auf der geteilten Insel. Schon vor dem Treffen waren die Erwartungen allerdings bescheiden.

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Paris - Das Treffen zwischen Kofi Annan und Tassos Papadopoulos am Dienstag in Paris hatte noch gar nicht begonnen, da machte sich schon allenthalben Skepsis breit: Der UNO-Generalsekretär und der zypriotische Staatspräsident wollten über einen neuen Anlauf für Vermittlungen zwischen den beiden Volksgruppen auf der Insel (Griechen und Türken) beraten. Doch die Vereinten Nationen gaben zuvor zu verstehen, dass sie dabei erhöhte Vorsicht walten lassen würden. Man werde sich nicht "Hals über Kopf" in eine neue Mediation stürzen, um dann feststellen zu müssen, dass man "in ein leeres Schwimmbecken springt", erklärte Kofi Annans Stellvertreter Ibrahim Gambari.

Negatives Referendum

Der von Annan präsentierte Wiedervereinigungsplan war 2004 von den griechischen Zyprioten in einem Referendum verworfen worden, weil er der überwiegenden Mehrheit der nach der türkischen Invasion 1974 vertriebenen 200.000 griechischen Zyprioten und deren Nachkommen die Rückkehr in ihre Heimatorte verwehrte, zugleich aber vorsah, dass ein großer Teil der von der Türkei angesiedelten 110.000 Festlandtürken und der 40.000 Mann starken türkischen Truppen auf der Insel bleiben kann.

Völkerrechtlich ist ganz Zypern seit 2004 EU-Mitglied, doch findet das Regelwerk der Union im türkisch kontrollierten Norden der Mittelmeerinsel derzeit keine Anwendung. Die Situation wird zunehmend durch die Weigerung Ankaras belastet, zypriotische Schiffe in türkischen Häfen abzufertigen.

"Zypern akzeptiert nicht, wenn sich die türkischen Zyprioten als separater Staat innerhalb eines Staates präsentieren. Das akzeptiert auch die Europäische Union nicht", hatte Papadopoulos bei seinem Besuch bei der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft vergangene Woche in Wien betont, bei dem die Verhandlungen mit Annan vorbereitet wurden.

Der Annan-Plan sei außerdem inakzeptabel, weil er vorsehe, dass die Türkei ihre Truppen weiter auf Zypern stationieren könne, so Papadopoulos. (APA, red/DER STANDARD, Printausgabe, 1.3.2006)

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