Kommission jagt Kommission

1. März 2006, 10:51
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Drei Kommissionen beschäftigen sich mittlerweile mit der Aufklärung der Affäre - Es forschen das IOC, das ÖOC und der ÖSV

Wien/Innsbruck - Vorbei sein ist alles, aber alles kann man halt nicht haben. Und man muss wieder einmal betonen, dass es zwar einige Indizien in der Affäre um einen Teil der österreichischen Olympiamannschaft gibt wie mehr oder weniger geglückte Fluchtversuche oder bei einer Razzia eiligst weggeschmissenes Gerät, von dem es noch keine offizielle Darstellung gibt, aber keinen Dopingfall.

Drei Teams beschäftigen sich mit der Angelegenheit, es schaut nach einem Wettlauf der Kommissionen aus. Als letzte der drei betroffenen Institutionen gab der Österreichische Skiverband (ÖSV) seinen Forschungsauftrag.

Es ist eine ständige Einrichtung im ÖSV, die sich nun aufmacht, die Geschichte zu klären, der so genannte Disziplinarausschuss. Ihm gehören drei Juristen an: Arnold Riebenbauer, Richter in Kärnten, Robert Wallner, leitender Staatsanwalt in Tirol, Burghardt Thierrichter, Verfassungsjurist in der Steiermark.

Pragmatismus

Der Ausschuss, genauso ein Gremium wie eine Kommission, wird diese Woche zusammentreten. "Das Wichtigste ist es nun", sagt ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner, "die Angelegenheit pragmatisch zu lösen. Wir brauchen Sachlichkeit statt Emotion. Und unser Rechtsgrundsatz ist es, dass die Unschuldsvermutung gilt, solange nichts bewiesen ist." ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel forsch: "Wir im Skiverband werden die schnellsten sein, die das aufklären."

Der Jurist Dieter Kalt leitet die Untersuchungskommission des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC), dem auch Olympiasieger Franz Klammer und der Schweizer Stephan Netzle angehören. Netzle ist Jurist und beim Obersten Sportgericht (CAS) in Lausanne tätig, er hat beispielsweise bei der Aufrollung im Fall des Skifahrers Hans Knauß mitgearbeitet. Kalt, auch Vorsitzender des Wintersportausschusses im ÖOC: "Es geht nicht um Köpfe, es geht vor allem darum, dass wir es schaffen, eventuelle künftige Fehlerquellen auszuschalten."

Viele Interviews

Was ist der derzeitige Ermittlungsstand? "Bis jetzt wurde alles mündlich abgehandelt. Wir haben nun unser Grobkonzept fertig, das wohl binnen 24 Stunden von ÖOC-Präsident Leo Wallner unterschrieben werden wird", sagte Kalt am Montag um die Mittagszeit. Ansonsten warte man auf die Unterlagen der italienischen Behörden. Und man werde sehr viele Interviews führen müssen, um das Umfeld der betroffenen Sportler und Trainer zu durchleuchten, Zuständigkeiten zu klären. Kalt knüpfte bereits Kontakte zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und zur Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) - und zum ÖSV-Disziplinarausschuss wird er noch knüpfen.

CAS über allen

Jede der Kommissionen kann Strafen verhängen, die olympische Hoheit hat naturgemäß das IOC. In dessen Team arbeitet in führender Position der deutsche Jurist und IOC-Vize Thomas Bach, zudem forschen der ehemalige Stabhochsprung-Serienweltrekordler Sergej Bubka aus der Ukraine und der Schweizer Jurist Denis Oswald, Weltpräsident der Ruderer und der Sommersportverbände innerhalb des IOC.

Wer auch immer etwas entdeckt: Das allerletzte Wort hat der CAS. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 28.02.2005)

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    ÖOC-Praesident Leo Wallner, Untersuchungs- kommissionschef Dieter Kalt und ÖOC-Generalsekretaer Heinz Jungwirth (v.li.).

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