Das Virus greift um sich

2. März 2006, 16:57
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H5N1 im Niger festgestellt - Bosnien: Verdacht bestätigt - Georgien: Tests positiv - Erreger vermutlich auch in der Schweiz

Die Vogelgrippe hat ein weiteres afrikanisches Land erreicht: Bei Geflügel im Niger wurde der auch für Menschen gefährliche Erreger H5N1 festgestellt, wie ein Labor in Italien am Montag mitteilte. Das Virus war zuvor bereits bei Tieren im benachbarten Nigeria sowie in Ägypten nachgewiesen worden. Experten warnten auf einer Konferenz in Paris vor einer weiteren Ausbreitung in Afrika und räumten ein, im Wissen um die Vogelgrippe und die Übertragung über Wildvögel gebe es gefährliche Lücken.

Die italienische Labor-Leiterin Ilaria Capua sagte der Nachrichtenagentur AP, es gebe "ein gewaltiges schwarzes Loch" bei den Kenntnissen über Wildvögel. Die Tierseuche könnte sich von Geflügel in Afrika auf Wildvögel übertragen und von diesen weitergetragen werden. Der Vogelzug im Winter nach Süden und im Frühling nach Norden könnte dann eine enorme Gefahr für Europa darstellen. "Die einzige Hoffnung, die wir haben, ist, dass es kein neues pandemisches Virus wird", sagte Capua mit Blick auf eine von Wissenschaftern befürchtete Mutation des Erregers, womit er auch von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte.

Bosnien: Verdacht bestätigt

Die Behörden in Bosnien-Herzegowina erklärten, der Verdacht auf Infektion mit der Vogelgrippe bei zwei toten Schwänen habe sich bestätigt. Das zuständige EU-Referenzlabor habe den H5N1-Erreger in den Gewebeproben der Tiere entdeckt, hieß es. Die beiden Schwäne waren vor zwei Wochen in der Nähe des Plivsko-Sees in der Mitte des Landes tot aufgefunden worden. Die Behörden riegelten das Gebiet ab und ordneten eine Tötung von mehr als 4.000 Hühnern in einem Umkreis von drei Kilometern an. Alle Schwäne auf dem See wurden abgeschossen. Bei einem an der Südküste Kroatiens tot aufgefundenen Schwan bestätigte sich ebenfalls eine H5N1-Infektion, wie das Landwirtschaftsministerium erklärte.

Georgien: Tests positiv

Auch Tests an einem tot aufgefundenen Schwan in Georgien waren positiv. Die Regierung ordnete die Tötung des gesamten Hausgeflügel-Bestands in der betroffenen Region Adscharia im Westen des Landes an.

Pakistan: Hühner infiziert

Pakistan meldete ebenfalls einen Ausbruch von Vogelgrippe. Auf zwei Bauernhöfen im Nordwesten des Landes seien Hühner mit einem Virus des H5-Stammes infiziert, erklärte das Landwirtschaftsministerium. Ob es sich um H5N1 handelte, sei noch nicht klar. Auch im Süden Russlands wurde ein Dorf unter Quarantäne gestellt, nachdem dort zehn Hühner verendet waren. Erste Tests wiesen dem Notfallministerium zufolge ebenfalls auf eine Infektion mit einem H5-Erreger hin.

Erster Fall in der Schweiz

Auch beim ersten Vogelgrippe-Fall in der Schweiz handelt es sich höchstwahrscheinlich um den Erreger H5N1. Dies stehe mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,8 Prozent fest, sagte der Leiter des nationalen Referenzlabors an der Universität Zürich, Richard Hoop, im Schweizer Radio DRS. Im EU-Referenzlabor in England müsse noch festgestellt werden, ob es sich um die hochansteckende Variante des Virus handele.

Malaysia: Strafen für Geflügelbesitzer

Die malaysische Regierung kündigte an, mit Haft- und Geldstrafen gegen Geflügelbesitzer vorzugehen, die ihre Tiere vor den Behörden verbergen. Vorgesehen seien eine Gefängnisstrafe bis zu zwei Jahren und eine Geldbuße von umgerechnet 117 Euro, sagte Landwirtschaftsminister Muhyiddin Yassin. Betroffen sind vier Dörfer im Großraum der Hauptstadt Kuala Lumpur, wo 40 Hühner an dem Virus H5N1 verendet sind.

Japan: Festnahmen

Die Polizei in Japan nahm vier Mitarbeiter einer Geflügelfarm fest, die offenbar versucht haben, einen Ausbruch von Vogelgrippe zu vertuschen. Sie hätten im August falsche Daten an die Behörden übermittelt, sagte ein Regierungsvertreter der Präfektur Ibaraki. Zwei von ihnen - Tierärzte - hätten außerdem Testergebnisse des Instituts für Tiergesundheit nicht weitergegeben. Es handele sich in beiden Fällen um das weitaus weniger aggressive Virus H5N2, betonte ein Polizeisprecher. (APA/AP)

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