Salzburg: Kulturgelände besetzt

1. März 2006, 16:34
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Jugendliche wollen Raum für "Selbstverwirklichung und Dialog"

Salzburg - Seit Freitag vergangener Woche hat Salzburg ein besetztes Haus. Eine Plattform junger Kulturschaffender hat im seit Ende vergangenen Jahres leer stehenden Gebäude des ehemaligen Kulturgelände Nonntal Quartier bezogen. Mit der strikt gewaltfreien Aktion wollen die Jugendlichen aufzeigen, dass es für junge Künstler und Jugendkultur in der Festspielstadt kaum Räumlichkeiten für "künstlerisch Selbstverwirklichung und kulturellen Dialog" gebe, heißt es in einer Erklärung der Hausbesetzer.

Am Wochenende hat ein Veranstaltungsreigen mit Konzerten und Lesungen begonnen. Konflikte mit der Eigentümerin Stadt Salzburg oder der Exekutive sind zumindest bis Montag ausgeblieben.

Die ehemaligen HTL-Werkstätten waren von 1987 bis 2005 Heimstatt der Arbeitsgemeinschaft Kulturgelände Nonntal. Die Nachfolgeorganisation residiert jetzt unter dem Namen Arge Kultur in einem Neubau. Dort fänden Jugendliche aber allein schon aufgrund der hohen Kosten für Probe und Veranstaltungsräume keinen Platz mehr, meinen die Besetzer der "alten Arge". Für sie ist das ehemalige Flaggschiff der autonomen Kulturszene an der Salzach längst ein etablierter Kulturbetrieb ihrer Elterngeneration.

Besetzt

Das ehemalige Kulturgelände bleibe daher bis auf weiteres besetzt, wurde bei einem Plenum am Sonntagabend von den Jugendlichen beschlossen. In dem Haus, das von der Stadt Salzburg an eine Wohnbaugesellschaft verkauft und demnächst abgerissen werden soll, sind inzwischen auch Wohnungslose unterkommen. Für Mittwoch haben die Jugendlichen Medien und Politiker eingeladen, um über ihre Forderungen zu diskutieren.

Für Vertreter der Kulturszene wie Thomas Randisek vom Dachverband Salzburger Kulturstätten kommt die Aktion der jungen Künstler nicht unerwartet: Salzburg brauche "ein Konzept offene Räume inklusive Bedarfserhebung" zitiert er im STANDARD-Gespräch aus dem vor fünf Jahren beschlossenen Kulturleitbild der Stadt. Geschehen sei allerdings wenig. (neu, DER STANDARD-Printausgabe 28.02.2006)

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