Aus dem Maschinenraum der Meinungsindustrie

13. März 2006, 16:27
3 Postings

"Politisch nicht korrekt. Ein Werber sieht die Gesellschaft" von Angelo Peer - Das aktuelle Buch

Angelo Peer ist Werber, sogar einer der meistausgezeichneten, und natürlich weiß er, wie man öffentliche Aufregung inszeniert. Seit zehn Jahren schreibt, oder besser kampangnisiert der Kreative in seiner Kolumne im Branchenblatt bestseller gegen alles, was den Anschein politischer Korrektheit hat.

Als Urheber der Meinungsmaschinerie ortet Peer vor allem Intellektuelle, Künstler und Gutmenschen - also das, was gemeinhin als "Linke" bezeichnet wird. Gleichzeitig schimpft er aber auch auf Konservative - wie überhaupt seine Grundabwehrhaltung eher stilistisch denn politisch motiviert zu sein scheint.

"Semantische Schaumschlägereien"

Wenn er beispielsweise die Unzulänglichkeiten der Werbersprache, die "semantischen Schaumschlägereien", den "phonetischen Gleichklang" und den Siegeszug des "Denglisch" seziert, oder sich über saisonale Belästigungen wie "Charity-Nötigung", "Weihnachtsschleim" und den alljährlichen Halloween-Horror auslässt, ist das launig zu lesen. Genauso, wenn er sich über die Weblog-Sprache Benita Ferreo-Waldners ("Ich persönlich bin ein Mensch") oder "DJ Hei-Fi" lustig macht. Etwas schwieriger wird es beispielsweise, wenn er den Brüssler "Extremismus der Spannteppiche" als Hochburg der Political Correctness (PC) geißelt, gegen grüne Ausländerpolitik wettert und das Sexualleid des Mannes beklagt.

In solchen Fällen zieht Peer eine gute Pointe der soliden Auseinandersetzung vor - was das gute Recht eines jeden Kolumnisten ist. Verordnete Korrektheit ist "gewiss suspekt", wie Armin Turnher im Nachwort zum Buch schreibt. Peers nahezu reflexartige Unkorrektheit ist über weite Strecken unterhaltsam bis treffend, überzeugender macht sie das letztendlich nicht. (Barbara Tóth/DER STANDARD; Printausgabe, 28.2.2006)

Angelo Peer, "Politisch nicht korrekt. Ein Werber sieht die Gesellschaft", Seifert Verlag, Wien 2006 192 Seiten, 19,90 Euro
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.